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Geschichtlicher Hintergrund

Unter dem Eindruck der verheerenden Weltwirtschaftskrise von 1929 hat sich die internationale Staatengemeinschaft auf der Konferenz von Bretton Woods (1944) die Stabilisierung des Währungs- und Finanzsystems zum Ziel gesetzt. Zentrales Element der Nachkriegs-Finanzarchitektur war ein System fixer Wechselkurse, wodurch das Spekulieren gegen Währungen unmöglich war. Die Bretton-Woods-Ära war von hoher Stabilität gekennzeichnet. Anfang der siebziger Jahre brach jedoch das Fixwechselkurssystem zusammen. In der Folge begannen die Wechselkurse frei zu schwanken, Währungsspekulation setzte ein, und das Volumen und die Geschwindigkeit der gehandelten Devisen nehmen seither rasant zu. Dadurch werden die Wechselkurse immer weniger von Fundamentaldaten (Produktivität, Inflation, Handel) bestimmt und immer stärker vom Herdenverhalten der „Finanzinvestoren“.

Um die wachsende Volatilität der Wechselkurse zu verringern, schlug Wirtschaftsnobelpreisträger James Tobin bereits 1972 eine einprozentige Steuer auf alle Währungstausche (Devisentransaktionen) vor, um etwas „Sand ins Getriebe“ zu streuen. Sein Kalkül: Da ein Großteil der (spekulativen, kurzfristigen) Devisengeschäfte eine Gewinnspanne von weniger als einem Prozent hat, würde das Transaktionsvolumen zurückgehen, und die Wechselkurse würden sich stabilisieren und wieder stärker von Fundamentaldaten bestimmt.

Während Tobins Vorschlag bisher unverwirklicht blieb, ist das Volumen der Devisentransaktionen seit Anfang der siebziger Jahre geradezu explodiert, von 70 auf 1.100 Milliarden Dollar pro Tag (BIZ 2001). Im Gegensatz dazu hat sich der Welthandel lediglich verzweieinhalbfacht – von zehn auf 25 Milliarden Dollar pro Tag. Direktinvestitionen schlagen mit weniger als 3 Milliarden Dollar pro Tag zu Buche. Die Schätzungen über das Transaktionsvolumen, das noch in direktem Zusammenhang mir realwirtschaftlichen Vorgängen steht, schwanken zwischen 1,5 und 5 Prozent. Das heißt, dass mindestens 95% aller Devisentransaktionen einen vorwiegend spekulativen Charakter haben. Zudem werden die Transaktionen immer kurzfristiger. Laut Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sind 80% aller „Auslandsinvestitionen“ auf den Finanzmärkten binnen acht Tagen wieder „daheim“ (z.B. Euro - Dollar - Euro), 40% sogar innerhalb von zwei Tagen. Es gibt „Day-Trader“ (Tageshändler), die unter „langfristig“ zehn Minuten verstehen. Mit anderen Worten, die Devisenmärkte sind nicht liquide, was gut wäre, um Handel und Investitionen zu finanzieren, sondern überliquide, was ein wachsendes Stabilitätsrisiko darstellt. In den neunziger Jahren folgte bereits eine Finanzkrise auf die andere. Allein die Südostasienkrise 1997/98 hat 50 Millionen Menschen arbeitslos gemacht und in Armut gestürzt. Frauen sind überproportional von den Auswirkungen der Krisen betroffen, obwohl sie kaum am Finanzmarktgeschehen teilnehmen. Das zeigt, dass Finanzmarktgeschäfte keine Nullsummenspiele sind. Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert bzw. auf die Schwächsten der Gesellschaft abgewälzt.

Aber auch ohne krisenhafte Entwicklung bildet hohe Volatilität und Instabilität ein ungünstiges Umfeld für den produktiven Sektor, für internationalen Handel und Realinvestitionen. Sie erschweren die Planung und erhöhen die Unsicherheit, was teure Absicherungsgeschäfte nötig macht. Für Entwicklungsländer stellt die Unberechenbarkeit der Schuldendienstzahlungen ein weiteres Problem dar. Zusätzlich nimmt die Möglichkeit der Notenbanken und somit der nationalstaatlichen Wirtschaftspolitik, Wechselkurse zu steuern ab, da die Reaktionszeiten für Krisenmanagement extrem kurz sind, die Kursausschläge immer größer werden und die privaten Investoren einfach mehr Geld verschieben, als allen Nationalbanken zur Verteidigung der Wechselkurse zur Verfügung steht. Hinzu kommt, dass Notenbanken Zinssätze tendenziell hoch halten, um Wechselkurse stabil zu halten und ausländische Investoren anzulocken, was sich negativ auf die Realwirtschaft auswirkt, weil Kredite für Investitionen und Konsum teurer werden.

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