Klimaforum 2010 Cancun

Blog Aus Cancun!

Attac-Blog aus Cancun unter: lvccampcancun.wordpress.com

Wir stehen an einem Scheideweg.

Die Tatsachen liegen auf der Hand: Der menschengemachte Klimawandel ist eine Realität, er bedroht das Leben und die Existenzgrundlagen von Milliarden von Menschen, das Überleben von Millionen von Tierarten. Soziale Bewegungen, Umweltgruppen und WissenschaftlerInnen aus aller Welt rufen dazu auf, schnell und radikal zu handeln.

Es gibt Alternativen zum momentanen Kurs, der uns marktorientierte Strategien und "Agrosprit" als angebliche Lösungen des Problems vorgaukelt. Wenn wir das Überleben der Menschheit über Profitinteressen stellen und Solidarität über Kosten-Nutzen-Denken, dann ist ein gutes Leben für alle möglich, ohne dabei unseren Planeten zu zerstören. Wir müssen fossile Brennstoffe im Boden lassen und statt dessen in gemeinschaftlich verwaltete, erneuerbare Energie investieren. Wir müssen die Spirale exzessiver Produktion und exzessiven Konsums stoppen. Es bedarf des gleichen Zugangs für Alle zu den weltweiten Gütern, durch gemeinschaftliche Kontrolle und Verfügung über Energie, Wälder, Land und Wasser. Und natürlich müssen wir die historische Verantwortung des reichen, globalen Nordens für die Krise, in der wir uns befinden, anerkennen. Ohne einen Ausgleich zwischen Nord und Süd kommen wir nicht weiter.

Das europäische Attac-Netzwerk fordert daher: 

Alternativen zum Wachstumsmodell
Wirtschaftswachstum ohne erhöhten Ressourcenverbrauch ist eine Illusion. Das Bruttosozialprodukt ist kein geeigneter Indikator um sozialen Fortschritt und ein "gutes Leben" abzubilden. Nur durch ein Ende des "Zwangs" zum Wirtschaftswachstum kann der Widerspruch zwischen Bedürfnisbefriedigung und nachhaltigem Wirtschaften überwunden werden. 

Alternativen zum Energiesystem
Klimapolitik ist nur erfolgversprechend, wenn sie am Anfang der Energiekette, bei der Förderung fossiler Brennstoffe ansetzt. Neue Kohlekraftwerke oder neue Formen der Ölförderung sind ein Hauptproblem im Kampf gegen den Klimawandel. Daher: Das Erdöl muss im Boden bleiben. Erneuerbare Energieformen müssen dezentral und mit Einbindung der lokalen Bevölkerung entwickelt und ausgebaut werden. Forschungen auf diesem Gebiet dürfen nicht von privaten Profitinteressen (Agrartreibstoffe, Atomenergie) dominiert, sondern müssen öffentlich finanziert werden.

Alternativen im globalen Agrar- und Lebensmittelsystem
Das agroindustrielle Modell ist einer der Hauptverursacher für den Anstieg der Treibhausgase. Es beruht auf einem Produktionsmodell des höchstmöglichen Profits bei geringstmöglichen Kosten. Düngemitteleinsatz, Bodenerosion und die Reduktion der Biodiversivität gehen mit Hunger, sozialen Krisen und Umweltzerstörung einher. Attac fordert daher eine Kehrtwende der Agrarpolitik weg von der Förderung industrialisierter und erdölabhängiger Massenproduktion hin zu ökologisch-nachhaltigen und standortsspezifischen Produktionsmethoden und Ernährungssouveränität.

Alternativen zum globalen Handelsregime
Das derzeit von Industrienationen vorangertriebe Wirtschaftsmodell fördert ein exportorientiertes Produktions- und Konsummodell, welches einigen wenigen Konzernen hohe Profite ermöglicht.  Dieses Sytem basiert auf der Ausbeutung von Rohstoffen und Ressourcen im Süden durch die Länder des Nordens. Die Ausweitung des globalen Handels hat zu einem enormen Ansteigen der Treibhausgase geführt. Attac fordert daher, dass das neoliberale Handelsregime abgeschafft und durch ein alternatives multilaterales Handelsregime ersetzt wird. Dieses muss auf den Prinzipien Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und Mitbestimmung aufbauen.