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TERROR IM BLICK - POLITIK MACHT KINO

3. bis 30. Juni 2016, METRO Kinokulturhaus

„This is the new normal!“: Brüssel. Paris. Ankara. Lahore. Grand-Bassam. Boston. Istanbul. Politische Analysten waren sich schnell einig, dass die brutalen Terror-Anschläge des IS und anderer militanter Gruppen einen neuen Alltag, einen ständigen Krieg im Frieden inmitten einer globalisierten Welt im Umsturz der Großmächte darstellen. Selbst in sicher geglaubten Territorien wie Europa und den USA kam es zu Selbstmord-Bomben und zivilem Blut in den Straßen. Und wird es weiterhin kommen.

Reale Gewalt und politische Plakativität bestimmen die öffentliche Einflussnahme wie nicht mehr seit der „bleiernen Zeit“ der Roten-Armee-Faktion, der Weathermen, der roten Brigaden. Das marktwirtschaftliche „Babylon“ des Westens in Flammen: Das Kino träumt diesen Traum vom terroristischen Big Bang, vom großen Rumms seit Jahrzehnten, konkret seit der neo-konservativen Reagan-Thatcher-Ära der 1980er. Frei nach Brecht: Wer in einer schlechten Welt gut sein will, braucht die Hilfe eines schlechten Menschen.

Staatsmacht und Terrorgruppen sind in Folge gleichermaßen auf die Konstruktion von Bildern angewiesen, sei es zum Machterhalt oder zum Umsturz. Umso dringlicher ist es uns, sich mit einer umfassenden Film-Retrospektive diesem treibenden Faktor der akuten Weltpolitik zu widmen. Mit über 40 Programmen zeigt das FILMARCHIV AUSTRIA Facetten, Darstellungsformen und Hintergründe des Themas Terrorismus abseits gängiger Klischees und Boulevard-Schlagzeilen und baut dabei auf die nach einem Fassbinder-Zitat benannte Retrospektive „I don´t throw bombs, I make films“ des Filmfestivals DOC LISBOA vom Oktober 2015 auf.

Über 40 Spielfilme und Dokumentationen, Kultstreifen und neu zu bewertende Klassiker, Zeitkonserven und Meilensteine zwischen Unterhaltung, Kunst und Aufklärung, geben Aufschluss über die Hintergründe diverser terroristischer Bewegungen, lassen menschliche Geschichten, politische Interessen und die Militarisierung des Blicks hinter diesem empfindlichen öffentlichen Trauma besser verstehen. Große Regie-Namen wie Hitchcock, Godard und Carol Reed stehen dabei neben unbedingt zu entdeckenden Österreich-Premieren wie dem furiosen Märtyrer-Melodram „Horses of God“ und der von Erdogan verbotenen türkisch-kurdischen Guerilla-Doku „Bakur“.

KINO UND TERRORISMUS hält als Wanderung durch 80 Jahre Filmgeschichte dagegen. Und hilft dabei hinter diese anhaltenden Manipulationen und Bilderkriege zu blicken. Die Retrospektive findet in Kooperation mit dem Filmfestival DocLisboa statt, wo Agnès Wildenstein, Augusto M. Seabra, Cíntia Gil, Davide Oberto und Tiago Afonso 2015 die Filmschau I don´t throw bombs, I make Films – Terrorism, Representation kuratierten.

Kurator der Reihe ist Paul Poet, 1971 in Abqaiq, Saudi-Arabien, geborener steirischer Kino-Regisseur, Autor und Filmwissenschaftler. Für das FAA verantwortete er bislang die erfolgreichen Kino-Retrospektiven „Shooting Women – Weibliche Pioniere des österreichischen Films“ und „Austrian Pulp – Genre-Kino in rotweißrot“ bzw. „Aus Fleisch und Blut“.

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METRO Kinokulturhaus, Johannesgasse 4, 1010 Wien
Tel.: +43 1 512 18 03 e-mail: metrokino@filmarchiv.at