Auch wenn in den Medien derzeit die unmittelbaren Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise dominieren - die Krise der kapitalistischen Gesellschaft ist viel umfassender: Klima- und Energiekrise sind die Konsequenz einer rücksichtslos auf die Ausbeutung fossiler und anderer natürlicher Ressourcen setzenden Wirtschaftsweise, die soziale Krise als Folge der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich, Hungerrevolten auf drei Kontinenten, verursacht nicht zuletzt aufgrund eines im Interesse der Industriestaaten durchgesetzten Freihandels. Der Krisenreigen ließe sich fortsetzen: Krise der Demokratie, Krise der Politik, Vertrauenskrise.
Die Strategien der offiziellen Politik lassen bislang kaum Einsicht in die systemischen Zusammenhänge erkennen, extreme Kurzsichtigkeit wird schon bei der Analyse der Ursachen deutlich. Nach einem kurzen Moment des moralischen Entsetzens geht es nun vorrangig um die Herstellung des Status quo ante.
Die Folgen eines erneut in Gang gesetzten weltweiten Wachstumswettlaufs mit einem noch rücksichtsloseren Ressourcenverbrauch wären vor dem Hintergrund des sich immer dramatischer abzeichnenden Klimawandels fatal. Ebenso die sozialen Folgen zusätzlicher radikaler Sparmaßnahmen, verstärkt nun durch die immense Belastung der öffentlichen Budgets nach dem Crash. Eine Erschließung neuer Anlagefelder in der „realen“ Ökonomie ist freilich auch gar nicht in Sicht, die staatlichen Milliardenpakete ebnen damit nur das Feld für eine neuerliche spekulative Blase.
Für eine breite soziale Bewegung
Die Entwicklung von Perspektiven jenseits der kapitalistischen Kapitalverwertung
(= Vermehrung) ist wichtiger denn je. Es liegt an uns eine Ökonomie zu schaffen, die sich an den Bedürfnissen der Menschen (aller Menschen!) orientiert, die auf die begrenzten Ressourcen Rücksicht nimmt und den gesellschaftlich geschaffenen Reichtum gerecht verteilt, anstatt fortwährend Armut und den Ausschluss immer größerer Teile der Bevölkerung zu „produzieren“.
Bei immer mehr Menschen wächst die Offenheit, oder schlicht die Einsicht in die Notwendigkeit, grundlegende Alternativen zu denken, die einen Ausweg aus unserem gegenwärtigen Produktions- und Konsummodell, den Übergang von fossilen Energieträgern hin zu erneuerbaren und die Abkehr vom Dogma des quantitativen Wachstums ermöglichen - bevor der verrückte Selbstzweck eines einzig auf die Profitmaximierung des Kapitals ausgerichteten Systems unser aller Lebensgrundlagen zerstört.