Tagung 2017

Menschenrechte ins Ernährungssystem

Wir stehen am Scheideweg: Soll unser Essen zukünftig von Bäuerinnen und Bauern erzeugt  werden oder von Agrarkonzernen? Mit öffentlichen Geldern wird eine agrarindustrielle Entwicklung gefördert, die nicht zukunftsfähig ist, die auf steigende Exporte setzt und bei der die Bäuerinnen und Bauern auf der Strecke bleiben. Das Höfesterben geht weiter, die landwirtschaftlichen Betriebe werden in einen weltweiten Verdrängungswettbewerb geschickt. Das haben wir satt!

Vom Feld bis zum Teller: Weltweit versuchen Agrar- und Ernährungsindustrie ihre Kontrolle über die Wertschöpfungskette von Nahrungsmitteln auszuweiten. Nicht nur in Europa ist ihr Einfluss auf Agrar- und Handelspolitik deutlich spürbar, sondern auch in neuen Bereichen wie der Entwicklungspolitik wächst der Einfluss des Privatsektors. „Partnerschaften“ zwischen Regierungen, UN-Organisationen und der Agrar- und Ernährungsindustrie sind ein neuer Trend in der internationalen Zusammenarbeit. Auf dem Papier sollen Hunger und Mangelernährung im Globalen Süden bekämpft werden. In der Praxis dienen diese Partnerschaften aber oft den Interessen der Konzerne nach Zugang zu Agrarland, mehr Kontrolle über den Saatgutmarkt und der Erschließung neuer Absatzmärkte.

Wir haben eine andere Vision: Agrar-, Handels- und Entwicklungspolitik müssen sich an den Bedürfnissen der Menschen und an den Menschenrechten orientieren, nicht an Profitinteressen. Wir stehen für Ernährungssouveränität und wollen in drei Panels über aktuelle Konflikte im globalen Ernährungssystem und über menschenrechtliche Wege in die Zukunft diskutieren.

Anmeldung Wir haben es satt!-Tagung: info@wir-haben-es-satt.at

Programm

SA, 20. Mai 2017 13:00h – 20:30h
BOKU Wien, Türkenschanze, 1180 Wien
Adolf v. Guttenberg Haus, Feistmantelstraße 4 (Podium)
& Oskar Simony Haus, Peter Jordan Straße 65 (Workshops & Ausklang)

13:00h – 14:00h Eröffnungspodium
Alte Politik schafft neue Probleme – wir haben unser Agrarsystem satt!

• Irmi Salzer (ÖBV Via Campesina Austria)
• Hans-Peter Hutter (Umweltmediziner, MedUni Wien)
• Sebastian Theissing-Matei (Greenpeace)
• Walter Gössinger (BOKUs KriStus)
• Melanie Oßberger (FIAN Österreich)

14:30h – 18:00h Workshops mit vielen InputgeberInnen

Workshop 1: Milch
Durch das tägliche Melken stellen tausende Milchbäuerinnen und -bauern in Zusammenarbeit mit ihren Tieren das weiße Gold her: die Milch. Die Fähigkeit der Wiederkäuer, für Menschen unverwertbares Gras in wertvolles Essen zu verwandeln, wird durch eine Politik des Wachsens oder Weichens und den hohen Kraftfuttereinsatz ad absurdum geführt. Molkereien, die eine Vormachtstellung am Markt innehaben, schaffen Abhängigkeiten bei den Milchbetrieben. Durch Dumpingpreise wird die Milchproduktion im globalen Süden beschädigt. Eine demokratische Milchpolitik gibt Antworten auf diese Fragen.

InputgeberInnen:
• Thomas Schmidthaler (IG Milch, Milchbauer aus der Laussa)
• Wilhelm Knaus (BOKU, Inst. für Nutztierwissenschaften) *angefragt
• Julianna Fehlinger (ÖBV – Via Campesina Austria, Milchgruppe)
• Stefan Taschl (Bio Austria) *angefragt

Workshop 2: Getreide
Auf mehr als 500.000 ha wird in Österreich Getreide angebaut, fast 90% davon konventionell – d.h. unter Einsatz eines Chemiecocktails, der zum Bienensterben beiträgt und die Umwelt sowie unsere Gesundheit belastet. Zudem ist insbesondere der konventionelle Ackerbau für die Bodenerosion und den Verlust von Boden verantwortlich. Saatgutmonopole, Rohstoffspekulation und Ausbeutung von Arbeiter*innen im Verarbeitungsbereich – „unser täglich Brot“ ist Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen.

InputgeberInnen:
• Josef Hoppichler (Bundesanstalt für Bergbauernfragen)
• Carla Weinzierl (Attac)
• Maria Vogt (ÖBV – Via Campesina Austria)

Workshop 3: Obst & Gemüse
Frisches Obst & Gemüse am Teller – generell gesunde Ernährung – ist quasi zum Luxus geworden. Für kleinbäuerliche ProduzentInnen ist es gleichzeitig schwer am Markt mitzuhalten. Der Handel konzentriert sich auf wenige Supermarktketten. Um deren Forderungen nach billiger und gleichförmiger Ware zu erfüllen, greifen Obst- & Gemüsebetriebe auf migrantische ErntehelferInnen zurück. Eine demokratische Lebensmittelpolitik sieht anders aus.

InputgeberInnen:
• Konrad Rehling (Südwind)
• Katherine Dolan (Arche Noah)
• Lisa Bolyos (Sezonieri-Kampagne) *angefragt
• SoLaWi *angefragt

Workshop 4: Energie(pflanzen)
Landwirtschaft, Ernährung und Klima: Unser Ernährungs- und Energiesystem hat fatale Auswirkungen auf das Klima. Kontroverse Lösungsansätze im Feld der erneuerbaren Energien (Agrartreibstoffe, Biogasanlagen, Climate Smart Agriculture, REDD usw.) sorgen für anhaltende Probleme und Menschenrechtsverletzungen. Viele dieser vermeintlich gut gemeinten Klimaschutzmaßnahmen setzen kleinbäuerliche Landwirtschaft zunehmend unter Druck. Wie kann diesem Konflikt am besten begegnet werden? Welche Rolle müssen erneuerbare Energien auf dem Weg zu einer gemeinsamen Lebensmittelpolitik spielen?

InputgeberInnen:
• Magdalena Heuwieser (System Change not Climate Change)
• Christina Plank (ksoe und Universität Wien)
• Wolfgang Löser (energieautarker Bauernhof in Streitdorf, NÖ)
• Martin Regelsberger (Transition Oststeiermark)
• Thomas Roitmeier (Grüne Bäuerinnen und Bauern)

Workshop 5: Fleisch
Unser hoher Fleischkonsum hat global gravierende Folgen: Das Futter für Rind, Schwein, Geflügel & Co. verbraucht rund zwei Drittel aller fruchtbaren Flächen weltweit. Die EU importiert einen großen Teil des Futtermittels Soja aus anderen Weltgegenden, mit massiven Auswirkungen in den Herkunftsländern wie Brasilien. Gleichzeitig bemühen sich viele BäuerInnen in Österreich um guten Umgang mit ihren Nutztieren und die Produktion hochwertiger Lebensmittel, werden aber durch gesetzliche Rahmenbedingungen gehemmt.

InputgeberInnen:
• Sigrun Zwanzger (Welthaus Diözese Graz Seckau)
• VertreterIn der AG stressfreie Schlachtung (ÖBV – Via Campesina Austria)
• VertreterIn der MA 22 (Umweltschutzabteilung/Tierschutzombudsstelle Stadt Wien) *angefragt
• Sebastian Theissing-Matei (Greenpeace)

18:30h – 19:30h GEMEINSAMER ABSCHLUSS & ESSEN

Ein gutes Essen für alle ist die Vision.
Welche Schritte müssen wir gehen auf dem Weg zu einer demokratischen Lebensmittelpolitik? Mit Graphic Recording von Veronika Götz.

18:30h – 20:30 Uhr 1. WIENER ERNÄHRUNGSRAT-TREFFEN (parallel zum Abschluss – genauer Raum wird noch bekannt gegeben)

Um ein zukunftsfähiges Ernährungssystem zu fördern, haben sich in vielen Städten Ernährungsräte gebildet. Auch in Wien ist es an der Zeit, diesen Schritt zu gehen. Ein Ernährungsrat gestaltet als zivilgesellschaftlich organisiertes Gremium die Ernährungspolitik auf kommunaler Ebene mit. Es wird vom bisherigen Tun und den Zielen in naher und ferne Zukunft berichtet. Es braucht engagierte Menschen, um die Ziele weiterzuentwickeln und die Umsetzung aktiv zu unterstützen.
Um Anmeldung für das Ernährungsratstreffen wird gebeten: ernaehrungsrat-wien(at)posteo.at

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