Wer rettet wen?

Die Krise als Geschäftsmodell auf Kosten von Demokratie und sozialer Sicherheit
 
Ein Film von Leslie Franke und Herdolor Lorenz („Water Makes Money“ und „Bahn unterm Hammer“)

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Seit sechs Jahren werden Banken und Länder gerettet. PolitikerInnen schaffen immer neue Rettungsfonds, während mitten in Europa Menschen wieder für Hungerlöhne arbeiten. Es wird gerettet, nur keine Rettung ist in Sicht. Der Film „Wer Rettet Wen“ zeigt, wer wirklich gerettet wird: Nie ging es um die Rettung der Menschen in Griechenland, Spanien oder Portugal. Stets geht es nur um das Wohl der Hauptverdiener an diesen Krisen: den dort mit hochriskanten Spekulationen engagierten Banken.

Recht auf Schulden statt sozialer Rechte


Die Rettung maroder Banken wird zur Möglichkeit schließlich Kündigungsschutz sowie Sozial- und Arbeitsrechte systematisch abzubauen. In einem Interview mit dem Wallstreet Journal am 13.02.2012 macht Mario Draghi - einst Vizepräsident von Goldman Sachs und heute Präsident der EZB - daraus keinen Hehl: „Das europäische Sozialmodell ist Vergangenheit.“ Die Rettung des Euro und damit der Eurozone werde viel Geld kosten. Das bedeute auch, vom europäischen Sozialmodell Abschied zu nehmen.

Die EU-weite Rettungspolitik erweist sich im Film als ein weiterer Meilenstein einer neoliberalen Entwicklung, im Zuge derer die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Privat- und Staatshaushalte werden zugunsten der Finanzwelt geschröpft. Soziale Rechte werden durch das Recht auf Schulden ersetzt. Schulden sind ein probates Mittel, um die Menschen vom freien Denken und Handeln abzuhalten. Das zeigt sich u.a. am Beispiel des US-amerikanischen Hochschulsystems: kaum ein/e US-amerikanische/r StudentIn verlässt die Universität ohne einen beträchtlichen Berg Privatschulden angehäuft zu haben. Ein Schuldenberg, so groß, dass die meisten ihn ihr Leben lang nicht abbezahlen können. In Europa sind wir noch nicht ganz so weit. Aber überall, wo die Troika bestimmt, wie die Schulden zuverlässig bedient werden können, geht es vor allem um die Abschaffung öffentlicher Dienstleistungen wie Schule, Universität, Gesundheitswesen und Pensionen. Privatisierung heißt das Zauberwort. SchülerInnen werden zu Dienstleistungsempfängern, PatientInnen zu KundInnen.
Nicht nur die Privathaushalte machen vermehrt Schulden, sondern auch Staaten. Seit der Krise 2007 haben sich die Staatsschulden der sog. westlichen Länder im Schnitt fast verdoppelt – nicht zuletzt wegen der bis heute fortgesetzten Bankenrettungen. Damit die einen fleißig Schulden machen können, wird es den Kreditinstituten einfach gemacht, Kredite zu vergeben. Zum Beispiel mit Hilfe der Nullzinspolitik, aber auch mit Hilfe von Derivaten, die es den Banken ermöglichen mit geringstem Eigenkapital praktisch unbegrenzt Kredite zu vergeben. Noch mehr als es vor der Krise der Fall war, haben die Gläubiger die Staaten und Privatschuldner fest im Griff. Da hilft auch das blinde Streben nach Wirtschaftswachstum nicht weiter.

Es geht auch anders

Der Film „Wer rettet wen?“ ist allerdings kein Aufruf zur Hoffnungslosigkeit. Er zeigt auch verschiedene Beispiele der Umverteilung von oben nach unten, vor allem durch Entschuldung. Eine politische Alternative sind sogenannte Schuldenaudits, wie sie in Spanien und Lateinamerika vorgenommen wurden. In Ecuador wurde so die komplette Entschuldung des Staats erreicht. In Island hat sich das Volk in mehreren Volksabstimmungen der Bankenrettung durch die BürgerInnen verweigert. Die GläubigerInnen wurden nicht entschädigt. In den USA gibt es organisierte Schuldenstreiks, bei denen sich Menschen kollektiv der Tilgung ihrer Privatschulden verweigern.

Ein Film, der uns alle angeht

Das Allgemeinwohl hat angesichts der Macht des Finanzmarkts nur eine Chance, wenn BürgerInnen anfangen ihre Interessen in dem „Spiel der Milliarden“ zu erkennen, die wesentlichen Strukturen und Mechanismen des Finanzkapitals zu durchschauen. Das betrifft die Erwachsenen von heute, aber natürlich genauso die Erwachsenen von Morgen. „Wer Rettet Wen?“ soll ein Werkzeug dazu sein.

Film von unten – Ein partizipatives Konzept zu Finanzierung und Verbreitung

„Wer Rettet Wen“ entsteht als „Film von unten“ – finanziert, verbreitet und gezeigt von denen, die ihn sehen wollen, die wollen, dass der Film gesehen wird, die dieses Hilfsmittel zur Aufklärung nutzen. Die beiden Filmemacher Leslie Franke und Herdolor Lorenz legen besonders viel Wert darauf, dass ihre Filme nicht nur gerne gesehen werden, sondern interessierten Personen, Gruppen und/oder Organisationen auch einen direkten Nutzen bringen, als Hilfsmittel zur Aufklärung dienen.

Finanzierung

Das finanzielle Fundament des Films bilden die Spenden von Privatpersonen und Organisationen, die wollen, dass der Film zustande kommt. Zu den Unterstützern von „Wer rettet wen?“ zählen Organisationen wie Attac, Greenpeace, LobbyControl oder Oxfam, aber auch ver.di und die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung.

Weitere Informationen zum Film gibt es unter www.whos-saving-whom.org