Forderungen

#10yearsOn - 10 Jahre nach der Finanzkrise haben sich 60 Organisationen zusammengefunden, um das Finanzsystem neu zu gestalten: Das Bündnis ‚Change Finance‘.

#10yearsOn - 10 Jahre nach der Finanzkrise will ‚Change Finance‘ einen Paradigmenwechsel - den Umbau des Finanzsystems und das Ende der Finanzialisierung. Nur durch radikale Veränderung haben wir die Chance auf ein gutes Leben für alle.  

Der folgende Strategieplan ist mehr als eine Liste von Forderungen - er ist das Bestreben von über 60 Organisationen, die sich aus verschiedenen Perspektiven zusammengefunden haben, um das Finanzsystem neu zu denken. Wir wissen, dass diese Vielfalt die Basis unserer Stärke ist. Unsere Agenda für eine Reform des Finanzsektors bietet eine positive Vision für die Gesellschaft.

 

Das Finanzsystem, das wir wollen:

I.   Es dient den Menschen und dem Planeten

·    DIENER NICHT HERR. Die Gesellschaft gestaltet das Finanzsystem aktiv zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse. Größe, Umfang und Struktur des Finanzsektors dürfen nicht allein den Marktkräften überlassen werden. Kredite und Kapital müssen gesellschaftlichen Bedürfnissen dienen.

·    WENIGER FINANZIALISIERUNG. Bedeutung und Größe des Finanzsystems sinken. Grundbedürfnisse wie Wohnen, Gesundheit, Bildung müssen unabhängig vom privaten Finanzsektor, zugänglich sein. 

·    INVESTIEREN STATT WETTEN. Es gibt mehr nützliche Investitionen für sozial und ökologisch nachhaltige Aktivitäten, weniger „Casinofinanzierung“ für kurzfristige, unproduktive und spekulative Aktivitäten.

·    BEKÄMPFUNG DER UNGLEICHHEIT. Steuervermeidung wird untersagt und Steuersümpfe werden geschlossen, Schuldenerleichterungen für überschuldete Länder ermöglicht. Ein gerechtes Steuersystem verteilt den Reichtum um, vom reichen „einen Prozent“ zur Mittel- und Arbeiterklasse sowie von Großkonzernen zur öffentlichen Hand.

·    UNSEREN PLANETEN RETTEN. Ein massives Umlenken von Investitionen ermöglicht der Gesellschaft innerhalb unserer planetaren Grenzen zu leben, angefangen bei der Vermeidung der Klimakatastrophe. Die Zentralbanken spielen dabei eine aktive Rolle und richten ihre Politik an langfristigen gesellschaftlichen Bedürfnissen aus.

·    GUTE FINANZDIENSTLEISTUNGEN. Alle haben Zugang zu grundlegenden, kostengünstigen, transparenten und nicht-ausbeuterischen Finanzdienstleistungen. Angestellte von Finanzunternehmen sind ermächtigt, im besten Interesse der Kunden zu handeln. 

 

 

II.  Es ist demokratisch kontrolliert

·    WIRKSAME REGULIERUNG. Die Akteure der Finanzpolitik (GesetzgeberInnen/Regulierungs- und Aufsichtsbehörden, internationale Gremien und Zentralbanken) sind demokratisch legitimiert und politisch verantwortlich dafür, dass das Finanzsystem den Menschen und dem Planeten dient.

·    WENIGER LOBBYISMUS. Der Einfluss der Finanzindustrie wird eingeschränkt durch die Verhinderung von übermäßigem Lobbying und dem „Drehtüreffekt“. Die Zivilgesellschaft hat mehr Einfluss und Vertretung in Fragen der Finanzpolitik.

·    RECHENSCHAFTSPFLICHTIGE UNTERNEHMEN. Finanzunternehmen sind ihren Stakeholdern gegenüber verantwortlich, von KundInnen und MitarbeiterInnen bis hin zu den BürgerInnen vor Ort. KundInnen und die Öffentlichkeit sind im Aufsichtsrat von Banken vertreten und es gibt mehr Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

·    TRANSPARENZ. BürgerInnen haben einfachen Zugang zu Informationen und Daten über den Finanzsektor und seine Entwicklung – einschließlich der tatsächlichen Auswirkungen von Regulierung. Finanzunternehmen veröffentlichen was sie finanzieren und einnehmen.

 

III. Es ist stabil

·    WENIGER PRIVATE SCHULDEN. Die Gesellschaft ist weniger abhängig von privaten Krediten. Eine Regulierung der Kreditvergabe verhindert Überschuldung und kreditgetriebene Spekulationsblasen.

·    VIELFÄLTIGES FINANZSYSTEM. Der Finanzsektor ist vielfältig und schließt öffentliche, genossenschaftliche und andere Arten von Organisationen ein. Er wird nicht von Großunternehmen mit gleichen Geschäftsmodellen dominiert.

·    SICHER FÜR DIE GESELLSCHAFT. Der Finanzsektor ist weniger eng vernetzt und Unternehmen können ihre eigenen Verluste tragen. Kein privates Unternehmen ist „too big to fail“ – zu groß, um es scheitern zu lassen.

·    KEINE SCHLUPFLÖCHER. Eine einfache und wirksame Regulierung deckt alle Finanz-Aktivitäten ab, einschließlich außerbörslicher und „Schatten"-Transaktionen.

 

 

Langversion der Forderungen von Change Finance auf Englisch: https://www.changefinance.org/solutions/

Attac Österreich-Positionspapier zu Finanzmärkten (2010): https://www.attac.at/fileadmin/_migrated/content_uploads/Alternatives_Finanzsystem_03.pdf