02.05.2003, ATTAC kämpft um Erhalt des solidarischen Umlageverfahrens im Pensionssystem


Protestaktion vor der Wiener Städtischen Versicherung gegen "Geschäft mit der Angst"

Das globalisierungskritische Netzwerk ATTAC hat heute Vormittag eine Zeichen für den Erhalt des Umlageverfahren gesetzt. Vor der Zentrale der Wiener Städtischen Versicherung fütterten Kinder ihre Großeltern großzügig mit Stücken vom Pensionskuchen, um zu zeigen, dass der Generationenvertrag nicht durch Werbung zerstört werden darf.+++

In den letzten Jahren wurde das Vertrauen in das staatliche Pensionssystem durch Werbung für private Vorsorge zerstört und die Basis dafür gelegt, dass neoliberale PolitikerInnen das Umlageverfahren schrittweise zugunsten der kapitalgedeckten 2. und 3. Säule rückbauen, was den Banken und Versicherungen ein riesiges Geschäft bringen wird. ATTAC machte daher heute Vormittag die Werbung selbst zum Gegenstand einer Aktion. In Anlehnung an ein preisgekröntes Werbesujet gab ein Kind von einem Riesenkuchen, der den Pensionskuchen darstellte, seinen Großeltern zu essen. Damit sollte die Werbebotschaft der Versicherungswirtschaft, wonach sich die aktuelle Generation von Erwerbstätigen sich nicht ´auf die Großzügigkeit ihrer Kinder` verlassen solle, konterkariert werden. "Der Pensionskuchen ist groß genug für alle", so Christian Felber von ATTAC Österreich. "Nach 50 Jahren Wirtschafts-, Vermögens- und Pro-Kopf-Einkommenswachstum wäre es vollkommen ungerechtfertigt, breiten Bevölkerungsschichten die Einkommen zu kürzen."

Nach Ansicht von ATTAC wird die österreichische Bevölkerung die Finanzmarktabhängigkeit im Pensionssystem noch bitter bereuen. Schon heute stehen in Großbritannien und den USA große Teile einer Generationen vor der Altersarmut, weil sie ihre Hoffnungen in Aktien gesetzt hatten. Weltweit gehen infolge der Aktienbaisse Pensionskassen und Lebensversicherer in Konkurs. "Es wäre absurd, sich von den Risikomärkten höhere Sicherheit im Pensionssystem zu erhoffen", so Felber. Die Finanzmärkte sind so instabil, das selbst bei einem moderaten Portfolio-Mix aus 50% Aktien und 50% Anleihen die Pensionshöhe je nach Antrittsjahr um 100% schwankt. "Dieses Risiko kann sich die große Mehrheit der Menschen nicht leisten", so Felber.

Außerdem ist das Kapitaldeckungsverfahren um ein Vielfaches teurer als das Umlageverfahren. Während letzteres mit 1,8% Verwaltungskosten auskommt, verschlingt eine gewöhnliche Lebensversicherung 12 - 15% der Beiträge für Verwaltung, Werbung und Gewinn. Pensionsfonds schlucken international bis zu 30% der Beiträge. Hinzu kommt: Der angesparte Kapitalstock muss verrentet werden, was diesen um bis zu 25% verringert. Drittens: Die Umstiegsgeneration zahlt in jedem Fall drauf: Sie muss gleichzeitig die auslaufenden Umlage-Pensionen finanzieren und für die eigene Privatpension ansparen.

Fazit: Die kapitalgedeckten 2. und 3. Säulen sind in jeder Hinsicht dem Umlageverfahren unterlegen: Sie sind teurer, riskanter und unsozialer. Die Umschichtung von Budgetmitteln von der 1. zur 2. und 3. Säule ist daher nach Ansicht von ATTAC ein grober wirtschafts- und sozialpolitischer Fehler. "ATTAC hat zahlreiche Vorschläge, wie man den Generationenvertrag erhalten und das solidarische Pensionssystem langfristig finanzieren kann. Dafür lohnt es sich, Werbung zu machen", so Felber abschließend.