09.12.2010, Klimagipfel: Landgrabbing und Atomenergie als Klimaretter? Attac in Cancun


Verhandlungen laufen in eine katastrophale Richtung

 ?Die Verhandlungen am Klimagipfel in Cancun laufen in eine katastrophale Richtung?, erklärt Attac-Vertreter Ludwig Rumetshofer, derzeit vor Ort in Cancun. Alles deutet darauf hin, dass Atomenergie und eine Technologie zur Fixierung und Speicherung von CO2 in die Clean Development Mechanism (CDM) aufgenommen werden sollen. Durch die Forcierung von Agrotreibstoffen und Bioenergie unter ?Land Use, Land Use Change and Forestry? (LULUCF) wird auch so genanntes Landgrabbing, also Landkauf im großen Stil durch Investoren oder Länder, vorangetrieben. 
 
 ?Landgrabbing gefährdet die Nahrungsversorgung der Landbevölkerung in den ärmsten Ländern. Diese werden somit doppelt vom Klimawandel betroffen sein ? durch Dürre und erzwungene Energieversorgung reicher Länder. Statt grundlegender Alternativen forcieren die Regierungen kurzsichtige und kontraproduktive Scheinlösungen, die Probleme unseres energieintensiven Wirtschafts- und Wachstumsmodell weiter verschärfen?, kritisiert Rumetshofer.
 
 Auch an der geplanten Umsetzung des REDD-Modells* übt Attac heftige Kritik. ?Es ist völlig offen, wie mit dem Handel von Emissionszertifikaten aus abgeholztem Wald CO2 eingespart werden soll. Erfahrungen zeigen, dass ein Zertifikatehandel als Marktinstrument sehr viel weniger effektiv sei als eine Besteuerung oder ordnungspolitische Instrumente. Emissionsintensive Unternehmen können sich einfach freikaufen. Unter dem Strich werden mehr Energie, Treibhausgase und unter Umständen Atommüll produziert?, erklärt Rumetshofer. "Emissionshandel ist die falsche Lösung. Diese vermeidet es, tief greifende soziale und ökologische Veränderung in Angriff zu nehmen. Mit Klimaschutz hat das nichts tun.?
 
 Attac fordert daher: SYSTEM CHANGE NOT CLIMATE CHANGE
 
 ?    Alternativen zum Energiesystem
 Klimapolitik ist nur erfolgversprechend, wenn sie am Anfang der Energiekette, bei der Förderung fossiler Brennstoffe ansetzt. Neue Kohlekraftwerke oder neue Formen der Ölförderung sind ein Hauptproblem im Kampf gegen den Klimawandel. Daher: Das Erdöl muss im Boden bleiben. Erneuerbare Energieformen müssen dezentral und mit Einbindung der lokalen Bevölkerung entwickelt und ausgebaut werden.
 
 ?    Alternativen im globalen Agrar- und Lebensmittelsystem
 Das agroindustrielle Modell ist einer der Hauptverursacher für den Anstieg der Treibhausgase. Düngemitteleinsatz, Bodenerosion und die Reduktion der Biodiversivität gehen mit Hunger, sozialen Krisen und Umweltzerstörung einher. Attac fordert daher eine Kehrtwende der Agrarpolitik weg von der Förderung industrialisierter und erdölabhängiger Massenproduktion hin zu ökologisch-nachhaltigen und standortsspezifischen Produktionsmethoden und Ernährungssouveränität.
 
 ?    Alternativen zum globalen Handelsregime
 Das aktuelle globale Handelsregme fördert ein exportorientiertes Produktions- und Konsummodell. Die Ausweitung des globalen Handels hat zu einem enormen Ansteigen der Treibhausgase geführt.  Dieses System basiert auf der Ausbeutung von Rohstoffen und Ressourcen im Süden durch die Länder des Nordens. Attac fordert daher ein alternatives multilaterales Handelsregime das Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und Mitbestimmung ins Zentrum rückt.
 
 ?    Alternativen zum Wachstumsmodell
 Wirtschaftswachstum ohne erhöhten Ressourcenverbrauch ist eine Illusion. Nur durch ein Ende des ?Zwangs? zum Wirtschaftswachstum kann der Widerspruch zwischen Bedürfnisbefriedigung und nachhaltigem Wirtschaften überwunden werden.
 
 * REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation in Developing Countries).
 
 Informationen, Videos, Studien zur Kritik am Emissionshandel: www.attac.at/emissionshandel 
 
 Attac-Ansprechpartner in Cancun: 
 Ludwig Rumetshofer
 Blog: http://lvccampcancun.wordpress.com/
 ludwig.rumetshofer(at)attac.at
 Tel. erreichbar über skype nach Vereinbarung
 
 Koordination in Österreich:
 David Walch 
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