23.04.2012, Solidarität mit den Studierenden der Internationalen Entwicklung


Die Proteste der Studierenden der Internationalen Entwicklung sind nachvollziehbar und berechtigt.

Es ist nicht einsehbar, warum den ca. 2000 StudentInnen dieses Studiums kein Bachelor zustehen sollte. Gerade in Zeiten einer internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise gilt es, den Horizont zu erweitern und globale Verhältnisse in den Blick zu nehmen. Die Internationalen Entwicklung leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Ein zugangsbeschränkter und elitärer Masterstudiengang allein wird dem großen Interesse an dieser in Wien einzigartigen Studienrichtung nicht gerecht.

Finanzierungsschwierigkeiten können nicht ausschlaggebend für eine in dieser Dimension historisch einzigartige Beschneidung des Studienangebots sein. Österreich wendet gerade einmal 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Hochschulbildung auf, 2010 war das 3,6 Milliarden Euro. Allein die Bankenrettung der letzten drei Jahre kostete vier Milliarden Euro, die laut dem Wirtschaftsforschungsinstitut WiFo unwiederbringlich verloren sind. Dabei ist es mitnichten nachhaltiger, marode Banken mit Milliardenbeträgen zu sanieren, als in die universitäre Bildung zukünftiger Generationen zu investieren.

Auch Studiengebühren bedeuten weder eine nennenswerte Entlastung des Universitätsbudgets, noch lösen sie das Problem deren Unterfinanzierung. Vielmehr entsteht aus ihnen ein negativer sozialer Lenkungseffekt, der Frauen und StudentInnen aus niedrigen und mittleren Einkommensverhältnissen benachteiligt, wie Studien belegen.

Diese Benachteiligung wird zudem verschärft durch die nunmehr eingeführten Studieneingangs- und Orientierungsphasen (STEOP). Angesichts des unzureichenden Kursplatzangebots sind sie Teil von unerfüllbaren Voraussetzungsketten, die zudem im Fall eines Scheiterns eine lebenslange Sperre für das betreffende Fach zur Konsequenz haben.

Wir solidarisieren uns daher mit den StudentInnen der Internationalen Entwicklung und den protestierenden StudentInnen anderer Studienrichtungen und fordern mit ihnen:

  • ein ausfinanziertes Studium der Internationalen Entwicklung sowie aller Universitäten
  • Erhöhung des Hochschulbudgets auf mindestens 2% des BIP
  • Nein zu neuen Studiengebühren und Abschaffung aller Bestehenden
  • Abschaffung der STEOP und der lebenslangen Sperre nach negativer STEOP sowie Abschaffung sämtlicher Zugangsbeschränkungen

    mit solidarischen Grüßen,
    Attac Österreich