01.07.2018, Der 12-Stunden Tag betrifft uns alle!


Rede von Lisa Mittendrein, Attac Östereich auf der Demonstraion gegen den 12-Stunden-Tag

Volltext der Rede:

Ich will nicht 12 Stunden arbeiten müssen!
Wir wollen nicht 12 Stunden arbeiten müssen!
Und deshalb sind wir heute hier.

Wir wollen nicht unsere Gesundheit zerstören und unsere Freizeit verlieren. Wir wollen Zeit für unsere Familien haben und Zeit um zu leben! Und als Aktivistin und als Gewerkschaftsmitglied bin ich stolz, mit euch allen gemeinsam heute hier zu sein.

Der 12-Stunden-Tag ist nicht der Anfang und er ist nicht das Ende. Denn diese Regierung ist dabei, unsere Gesellschaft radikal umzubauen. Das geht so schnell, dass wir ja kaum mehr mitkommen: Diese Regierung kürzt die Mindestsicherung und gleich darauf beschließt sie CETA. Diese Regierung beschließt Steuergeschenke für reiche Familien, und gleich darauf baut sie den Überwachungsstaat aus. Diese Regierung opfert unser Klima den Konzernprofiten, und gleich darauf stellt sie Mädchen, die Kopftuch tragen, als angebliche Gefahr dar.

Tag für Tag baut diese Regierung Österreich im Interesse von Reichen und Konzernen um!

Damit sie damit durchkommen versuchen sie, uns gegeneinander auszuspielen. Sie wollen jene, die jetzt schon 12 Stunden arbeiten müssen, gegen die ausspielen, die es noch nicht tun. Sie wollen, dass wir uns gegenseitig fertig machen. Sie tun so, als wäre der zentrale Konflikt heute zwischen Menschen verschiedenen Glaubens oder verschiedener Herkunft. Sagen wir klar und deutlich: Das ist falsch. Hier steht unser aller Leben gegen die Profite von Herrn Kapsch und seinen Freunden.

Wir müssen und werden uns dieser Politik mit aller Kraft entgegenstellen. Aber lasst uns dabei nicht stehen bleiben. Denn wenn alles so bleibt wie es ist, ist es trotzdem noch nicht gut. Lasst uns gemeinsam nicht nur gegen den 12-Stunden-Tag kämpfen. Sondern lasst uns unsere Kräfte für eine neue Zukunft bündeln. Eine Zukunft, in der wir nicht 60, nicht 40, sondern erst mal nur 30 Stunden arbeiten. Eine Zukunft, in der alle Menschen gut leben können, egal woher sie kommen und woran sie glauben. Eine Zukunft, in der nicht Profite, sondern menschliche Bedürfnisse und der Schutz unserer Lebensgrundlagen im Zentrum stehen.


Auf dem Weg dorthin brauchen wir vor allem eines: Solidarität. Solidarität abseits unserer Unterschiede. Denn manche von uns sind Alleinerzieherinnen, die wegen der langen Arbeit bald ihre Kinder nicht mehr vom Kindergarten abholen können. Manche von uns macht die viele Arbeit chronisch krank, und manche von uns werden keine Zeit mehr für gewerkschaftliche oder politische Arbeit haben.

Manche von uns arbeiten so prekär, dass sie gar nicht wissen, ob sie nächstes Monat ihre Miete noch zahlen können. Manche von uns dürfen nicht mal legal arbeiten, während andere bis zum Umfallen schuften müssen. Und manche von uns kochen, putzen und pflegen den ganzen Tag, ohne jede Anerkennung oder Absicherung.

Der 12-Stunden-Tag betrifft uns alle. Der Umbau, den diese Regierung vorhat, betrifft uns alle. Und trotz unserer Unterschiede muss uns klar sein, dass wir auf der selben Seite stehen. Denn uns alle, egal wo wir arbeiten und wo wir herkommen, verbindet viel mehr als uns trennt.

Lassen wir uns nicht gegeneinander ausspielen. Lasst uns solidarisch sein. Lasst uns trotz und wegen unserer Unterschiede zusammenstehen! Dann werden wir gewinnen!