Von Tojner bis Pierer: Die größten Vermögenszuwächse

Wie nutzen die Reichsten ihre Macht?

Milliardäre wie Michael Tojner, Johann Graf, Georg Stumpf oder René Benko verzeichnen Vermögenszuwächse von mehr als 20 Prozent jährlich.

1. Michael Tojner: Vermögen 1,75 Milliarden Euro, jährlicher Zuwachs: 23,3 Prozent

Der Finanz- und Immobilieninvestor Michael Tojner hat den größten jährlichen Vermögenszuwachs, nämlich 23,3 Prozent Wachstum von 2012 bis 2023. Sein Vermögen stieg von 235 Millionen Euro auf 1,8 Milliarden Euro.

Unrühmliche Bekanntschaft erlangte Tojner durch das Wiener „Heumarkt-Projekt“, durch das die Stadt Wien die Bezeichnung Weltkulturerbe für das „Historische Stadtzentrum“ (das 2001 in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen wurde) verlieren könnte. Weniger bekannt ist allerdings, wie stark Tojner Einfluss auf die Medienberichterstattung in den Medien der Dichands – der „Heute“ und der „Kronen Zeitung“ – nahm. 2016 schrieb er an Christoph Dichand, dass das Projekt in der heißen Phase sei: „BITTE SPRICH EIN MACHTWORT IN DER REDAKTION!!“ Dichand antwortete aus dem Urlaub auf den Galapagos-Inseln, dass er sich darum kümmern werde.

Auch politische Einflussnahme fand statt: Im Rahmen seiner Bestrebungen das Stiftungsrecht zugunsten von Reichen zu ändern, schreibt der Investor auch gerne E-Mails mit fixfertigen Gesetzestexten an die private Mail-Adresse von Politiker*innen, zum Beispiel an den damaligen ÖVP-Justizminister Wolfgang Brandstetter. Er lobbyierte auch bei zwei SPÖ-Mandataren, wie ein Aktenvermerk der WKStA zeigt: "wäre wichtig, dass du oder Dr. Jarolim den von uns korrigierten Gesetzestext (...) als Vorschlag einbringst. (...) Brandstetter wird ihn akzeptieren laut Besprechung."

Seit 2019 ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) nach einer Anzeige des Landes Burgenland gegen Tojner und andere Beschuldigte wegen des Verdachts des schweren Betrugs. Der Vorwurf gegen Tojner lautet, kurz gesagt, dass er über Strohmänner und Firmen gemeinnützige Wohnbauträger gekauft haben soll. Der 2022 verstorbene Generalsekretär des Justizministeriums, Christian Pilnacek, und der ehemalige Justizminister Wolfgang Brandstetter stehen im Verdacht, im Juni 2019 eine damals bevorstehende Hausdurchsuchung beim Unternehmer Michael Tojner verraten zu haben: Brandstetter an Tojner: „Wenn die heute kommen: ganz ruhig bleiben...Rechtsmittel gegen diese HD machen absolut Sinn. Die betroffenen Anwälte werden Versiegelung beantragen, hab das gestern mit Karl noch besprochen. Bin per SMS erreichbar! Venceremos!"

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2. Johann Graf: Vermögen 5,7 Milliarden Euro, jährlicher Zuwachs: 22,4 Prozent

Der Eigentümer des Glücksspielkonzerns Novomatic hat einen absoluten Zuwachs von rund 5,56 Milliarden Euro erzielt. Sein Vermögen stieg von 100 Millionen Euro im Jahr 2003 auf 5,7 Milliarden Euro im Jahr 2023 - das ist ein Wachstum von jährlich 22,4 Prozent. Anders gesagt, Johann Graf hat sein Vermögen insgesamt verfünfunddreißigfacht. Im gleichen Zeitrum hat sich das BIP gerade einmal verzehnfacht bzw. ist jährlich nur um 3,4 Prozent gewachsen.

Wie kommt es, dass sein Vermögen dermaßen stark wächst? Sicherlich nicht, weil die „Novomatic alle [drei Parteien] zahlt“ – wie Heinz-Christian Strache auf Ibiza ausführte. Denn nach eigenen Aussagen hat Graf nur „Smalltalk“ mit Politiker*innen von der ÖVP  (dem damaligen Finanzminister Hartwig Löger sowie Casinos Austria-Managerin und ÖVP-Bundesparteivizeobfrau Bettina Glatz-Kremsner) und von der FPÖ (dem damaligen Staatssekretär im Finanzministerium, Hubert Fuchs) geführt. Das Verfahren rund um den „Ibizia-Skandal“ ist noch nicht abgeschlossen: Hier vermutet die WKStA, dass die Bestellung des freiheitlichen Bezirkspolitikers Peter Sidlo zum Vorstand der Casinos Austria im Austausch gegen Einfluss auf Gesetze, welche die Novomatic im Online-Glücksspiel bevorzugen, erfolgt sei.

Während Graf im Zeitraum von 2009 bis 2020 130 Millionen Euro an Verwandte, Freund*innen, (ehemalige) Mitarbeiter*innen und Aufsichtsratsmitglieder und/oder deren Angehörige verschenkte – darunter auch an die Ehefrau, eines früheren Funktionärs beim Spielapparate-Beirat der Stadt Wien – wurden während der Corona-Krise 3.200 Mitarbeiter*innen in Kurzarbeit geschickt, 120 Menschen gekündigt. Graf ließ sich eine saftige Dividende von 50 Millionen Euro auszahlen und kassierte dazu noch (monatlich!) 10 bis 22 Millionen Euro aus staatlichen Kassen, wie aus Berechnungen des Nachrichtenmagazins Profil hervorgeht.

3. Georg Stumpf: Vermögen 6,5 Milliarden Euro, Wachstum 21,9 Prozent

Der drittreichste Österreicher hat im Gegensatz zur großen Mehrheit der Menschen einen beträchtlichen Startvorteil ins Leben gehabt: Er erbte 36 Millionen Euro und beste politische Kontakte von seinem Vater und startete in die Immobilienspekulation. Er ließ die Wiener Millennium City erbauen und verkaufte das Gebäude mit einem Gewinn von 235 Millionen Euro. Das Gebäude wurde gegen Beschlüsse des Wiener Gemeinderats höher und größer als geplant – doch gute Beziehungen zur SPÖ (sein Vater war Freund des ehemaligen Bundeskanzlers Franz Vranitzky) waren da wohl von Vorteil. Heute besitzt er ein beträchtliches Finanzvermögen aus früheren Immobiliendeals.

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA erstattete mehrfach Anzeige, ein Verfahren wurde gegen eine (Wiedergutmachungs)Zahlung von 10 Millionen Schweizer Franken eingestellt, eine zweite Buße in Höhe von 40 Millionen wurde aufgehoben.

Wie der Finanz- und Immobilienspekulant auch dem Klima schadet, zeigt seine Vorliebe für Privatjets, Luxusvillen und -autos. Seine Villa in Stile eines italienischen Palazzos war im Jahr 2007 die teuerste Luxusimmobilie Österreichs mit einer Fläche von über 2.000 m² und Kosten von 15 Millionen Euro. „So ist er beispielsweise stolzer Besitzer eines eigenen Privatjets – einer Bombardier Global Express – sowie eines Airbus A319, dessen 144 Sitzplätze auf 22 reduziert wurden und der über seine Millennium Aviation Flugbetriebs GmbH auch angemietet werden kann. Zur Stumpf-Villa gehört zudem eine große Garage für 40 Autos, die mit Wägen der Luxuskategorie voll belegt ist.

4. René Benko: Vermögen 2023 4,2 Milliarden Euro, jährliches Wachstum 21 Prozent

Der Immobilienspekulant René Benko gehörte zu den Reichsten in Österreich. Erst ein Leben in Luxus – und nun muss der Staat einspringen. Benko steigerte sein Vermögen von 200 Millionen Euro im Jahr 2007 auf 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2023 – das ist ein Wachstum von jährlich 21 Prozent. Dass dieses Wachstum nicht nachhaltig sein könnte, darüber gab es schon länger Spekulationen. Jetzt wurde die Rechnung serviert: Die Signa-Gruppe ist insolvent und mit über 5 Milliarden Schulden die größte Pleite der Geschichte in Österreich.

Das Geschäftsmodell des wegen Korruption verurteilten René Benko: Unbegrenztes Wachstum durch Aufnahme von Hypothekarkrediten auf überbewertete Immobilien. Dazu beste Verbindungen zur Politik und Miteigentümerschaft der Medien “Kronen Zeitung” und “Kurier”. Und wenn jemand erwähnte, dass “er 2014 vom Obersten Gerichtshof in Wien rechtskräftig zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war, weil er versucht hatte, ein Steuerverfahren in Italien zu beeinflussen, verlangte er über seine Anwälte, diese Passage zu löschen.“

Benko wird den österreichischen Staat wahrscheinlich über 50 Millionen Euro kosten. Er ließ sich ja sogar einen Privatjet mit 9 Millionen Euro mitfinanzieren: Aus Corona-Hilfsgeldern erhielten Benkos Firmen (kika/Leiner, Hotel Park Hyatt, Hotel am Belvedere) mindestens 18,7 Millionen Euro. Dazu kommen noch offene Steuerstundungen aus dem kika/Leiner Deal.

Der deutsche Staat stützte Benkos Galeria Karstadt Kaufhof gar mit 680 Millionen Euro, doch durch die dritte Insolvenz in drei Jahren ist es äußert fragwürdig, ob die deutschen Steuerzahler*innen etwas davon wiedersehen. Gleichzeitig hielt Benkos Signa-Gruppe deutsche Karstadt-Immobilien über Firmen in Luxemburg. Damit ließen sich nicht nur in Deutschland Steuern „sparen“, die Gewinne flossen zudem fast steuerfrei wieder nach Österreich. Signa hat 2022 über eine Milliarde Euro Gewinn verzeichnet. “Gewinn ist der Lohn für unternehmerisches Agieren”, argumentierte Benko in wirtschaftlich guten Zeiten …

5. Mark und Dietrich Mateschitz: Vermögen 32,5 Milliarden Euro, jährliches Wachstum 19,2 Prozent

Das Vermögen des bis zu seinem Tod 2022 reichsten Mannes Österreichs und Inhaber von Red Bull, Dietrich Mateschitz, wuchs zwischen 2002 und 2023 von 810 Millionen Euro auf 32,5 Milliarden Euro – ein jährliches Wachstum von 19,2 Prozent.

Mateschitz durfte sich allein im Corona-Jahr 2020 über 342 Millionen Euro Vermögenszuwachs aus Gewinnanteilen und Sonderdividenden freuen. Sogar für ihn ein Rekord, denn im Jahr davor stiegen die Gewinne von Red Bull um zehn Prozent – oder ganze 818 Millionen Euro. Und selbst im Corona-Jahr 2020 wuchs der Konzernumsatz weiter um 4 Prozent auf 6,31 Milliarden Euro.

Dietrich Mateschitz behauptete zwar, keine Firmenkonstrukte zur „Steuerersparnis“ zu nutzen. Doch eine Recherche der Plattform Dossier vom Februar 2021 zeigt, dass Red Bull auffällig viele Niederlassungen in Steuersümpfen hat, die mit Steuervorteilen oder fehlenden Berichtspflichten locken – darunter etwa Panama, Dubai, die Cayman Islands, die britischen Jungferninseln oder der berüchtigte US-Staat Delaware.

Mateschitz´ Sohn Mark trat 2023 das Erbe von 32,5 Milliarden an – steuerfrei. 2023 ließ er sich fast 600 Millionen Euro Dividende auszahlen.

6. Wolfgang Leitner: Vermögen: 2,5 Milliarden Euro, jährlicher Zuwachs: 16,6 Prozent

Der Vorstandsvorsitzende von Andritz hat sein Vermögen von 100 Millionen im Jahr 2002 auf 2,5 Milliarden Im Jahr 2023 gesteigert.

In einem 2017 veröffentlichten Strategiepapier für die Übernahme der ÖVP-Obmannschaft durch Sebastian Kurz wurde Leitner als möglicher Spender für die ÖVP genannt. Im Ibiza-Untersuchungsausschuss erklärte er, er habe „meines Wissens nach“ nie an die ÖVP gespendet, halte sie aber für eine „sehr gute“ Partei und wichtig für den Standort Österreich. Leitner sei einmal „draufgekommen, dass man auf derselben spanischen Insel Urlaub (wie Kurz) mache, und habe sich in weiterer Folge zum Abendessen getroffen. Er habe mit Kurz „in einer Reihe von Videokonferenzen im Zuge der Covid-Krise“ Kontakt gehalten. Mit dem ehemaligen ÖVP-Bundesminister Martin Bartenstein besitzt er eine Pharmafirma, die Generika produziert.

2021 zahlte die Andritz AG Aktionär*innen 104 Millionen Euro aus. Leitner besitzt über eine Stiftungskonstruktion 31,5 Prozent an Andritz und erhielt selbst 32,7 Millionen Euro. Im Jahr davor nahm der Konzern 28 Millionen Euro an staatlichen Kurzarbeitsgeldern in Anspruch und kündigte 180 Mitarbeiter*innen. Auch in diesem Jahr schüttete Andritz eine Dividende von 50 Millionen Euro aus. Leitner bekam damals 12 Millionen Euro. Als Vorstandsvorsitzender bezieht er zusätzlich noch 2,1 Millionen Euro Gehalt im Jahr.

An die ÖVP gespendet hat Leitners Frau Cattina Leitner. Sie stand auf der Kandidatenliste der ÖVP für den Nationalrat, wurde Mitglied des ÖBB-Aufsichtsrats und ist Präsidentin des Stiftungsverbands, dem Lobbyverband der österreichischen Stiftungen.

7. Stefan Pierer: Vermögen: 1,6 Milliarden Euro, jährlicher Zuwachs: 13,9 Prozent

Das Vermögen von KTM-Boss Stefan Pierer ist von 200 Millionen im Jahr 2007 auf 1,6 Milliarden im Jahr 2023 angewachsen – ein jährlicher Zuwachs von 13,9 Prozent. Der Präsident der oberösterreichischen Industriellenvereinigung machte nicht nur als KTM-Boss von sich reden, sondern auch durch seine Spenden in Höhe von rund 530.000 Euro an Sebastian Kurz‘ türkise ÖVP im Wahlkampf 2017. In der Zeit von Finanzminister Schelling war Pierer zudem Mitglied einer Expertengruppe, die "Input" zum Thema Steuerreform liefern sollte. Pierer zog über Arbeitnehmervertreter*innen her und machte sich für Kürzungen im Sozialstaat sowie einen 12-Stunden-Tag stark – welcher dann 2018 unter Sebastian Kurz eingeführt wurde.

Obwohl Pierer sich gern als Selfmade-Millionär bezeichnet und gegen Steuern, den Sozialstaat und Bürokratie wettert, benötigte seine KTM aufgrund von Managementfehlern im Jahr 2009 eine Bürgschaft vom Land Oberösterreich in Höhe von 33,6 Millionen Euro und bekam auch eine Kurzarbeitsförderung in Höhe von 1,25 Millionen Euro. Auch in der Corona-Krise bekam KTM 11 Millionen Euro staatlicher Unterstützung durch Kurzarbeitsgelder. Gleichzeitig erhöhte Pierer Vorstands im Corona-Jahr seine eigenen Bezüge und die des Vorstands um 30 Prozent – und schüttete sich selbst eine Dividende von 7 Millionen Euro aus. Insgesamt bekam KTM also 11 Millionen Euro Unterstützung und schüttete 11,25 Millionen Euro an Dividenden aus. 2023 wurden bei Pierer Mobility (früher KTM Industries) trotz einer erwarteten Gewinnmarge von 5 bis 7 Prozent 300 Mitarbeiter*innen entlassen.

Pierers Steuerangelegenheiten wurden im Wahlkampf 2017 zum Aufreger. Er hatte 2013 – gerade noch rechtzeitig vor Inkrafttreten eines Steuerabkommens – mehr als 20 Millionen Euro von Liechtenstein nach Österreich transferiert, ohne dafür rückwirkend Steuern zu zahlen. "Woher hat (SPÖ Finanzsprecher Kai Jan) Krainer die Details zu Pierer?", schrieb Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) an sein Team. Das Finanzministerium suchte danach intensiv nach undichten Stellen und legte tausendseitige Akten über langjährige Mitarbeiter*innen (?) an. Recherchen von STANDARD und ORF zeigten jedenfalls, dass Pierer im Zusammenhang mit seinen Geschäften in Liechtenstein mehr als acht Millionen Euro an Abgaben nachzahlen musste, wogegen er teilweise Beschwerde einlegte.

Wie würde sich das Vermögen der Reichsten mit und ohne Besteuerung weiterentwickeln?

Für eine Abschätzung, wie sich das Attac-Modell auf die weitere Entwicklung der Vermögenskonzentration auswirken würde, haben wir die durchschnittliche Zuwachsrate von 11,2 Prozent für einzelne Milliardär*innen mit und ohne Steuer fortgeschrieben. Allein das Vermögen der reichsten 10 Österreicher*innen würde in den nächsten 10 Jahren in Summe von 110 Milliarden auf knapp 320 Milliarden Euro anwachsen. Hervorzuheben dabei ist, dass die individuellen Zuwachsraten vieler Genannter oftmals weit höher waren. Mit dem Attac-Modell würden die enormen Vermögen der Reichsten hingegen stabilisiert werden.

 Milliardär

Vermögen 2023

Vermögen 2033
 ohne Vermögensteuer

Vermögen 2033
 mit Vermögensteuer

Mark Mateschitz

32,5 Mrd. €

93,9 Mrd. €

33,3 Mrd. €

Georg Stumpf

6,5 Mrd. €

18,8 Mrd. €

7,1 Mrd. €

Johann Graf

5,7 Mrd. €

16,5 Mrd. €

6,3 Mrd. €

Wolfgang Leitner

2,5 Mrd. €

7,2 Mrd. €

3,1 Mrd. €

Michael Tojner

1,8 Mrd. €

5,1 Mrd. €

2,3 Mrd. €

Stefan Pierer

1,6 Mrd. €

4,6 Mrd. €

2,1 Mrd. €