Seit dem Auslaufen der Erbschaftssteuer 2008 haben die Erb*innen der 100 reichsten Österreicher*innen 76,4 Milliarden Euro geerbt – ohne dafür einen einzigen Euro Steuerbeitrag zu leisten. Das entspricht durchschnittlich 4,2 Milliarden Euro pro Jahr. Um eine vergleichbare Summe durch Arbeit zu verdienen, müssten rund 82.000 Menschen ein ganzes Jahr lang arbeiten und Steuern zahlen – nahezu ganz Klagenfurt.
Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Attac-Recherche, die die Erbfälle der Trend-Listen der 100 reichsten Österreicher*innen seit 2008 auswertet. Es ist der bislang umfassendste Bericht über die Erbschaften der reichsten Menschen in Österreich. Allein die 10 größten Erbschaften in Österreich summierten sich im untersuchten Zeitraum auf mehr als 51 Milliarden Euro.
Jährliches Erbvolumen der 100 Reichsten von 2008 bis 2025 in Mrd. Euro:
Attac für progressive Erbschaftssteuer ab 5 Millionen Euro
Das Auslaufen der Erbschaftssteuer 2008 schuf somit ein milliardenschweres Steuerprivileg. Während Millionen Menschen auf ihr Arbeitseinkommen Steuern zahlen,
können leistungslose Milliardeneinkommen weiterhin völlig ohne Steuerbeitrag geerbt werden.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Budgetdebatte fordert Attac daher die Wiedereinführung einer progressiven Erbschafts- und Schenkungssteuer mit einem Freibetrag von 5 Millionen Euro. Das Attac-Modell sieht folgende Steuerstufen vor:
Bis zu 36,2 Milliarden Euro an Einnahmen gingen verloren
Wäre die Erbschaftssteuer 2008 derart reformiert worden, hätten die Erb*innen der 100 reichsten Österreicher*innen 36,2 Milliarden Euro an Steuerbeiträgen geleistet. Mit den aktuellen Erbschaftssteuermodellen von SPÖ bzw. Grünen wären es 26,4 Milliarden Euro gewesen. Die potenziellen Gesamteinnahmen, die nicht nur die 100 Reichsten, sondern alle Steuerpflichtigen über den jeweiligen Freibeträgen inkludiert, wären deutlich höher ausgefallen.
„In Österreich wächst Reichtum vor allem durch Vererbung. Ausgerechnet die leistungslosen Einkommen der Reichsten tragen jedoch nichts zum Allgemeinwohl bei, während es für die breite Mehrheit massive Kürzungen geben soll. Die Wiedereinführung einer progressiven Erbschaftssteuer ist daher dringend nötig. Sie sorgt nicht nur für Steuergerechtigkeit, sondern sie schützt auch unsere Demokratie vor der ausufernden Macht der Reichsten“, erklärt Mario Taschwer von Attac Österreich.
Einnahmenpotential wird deutlich ansteigen
Ohne eine gerechte Besteuerung großer Erbeinkommen wird die enorme Vermögenskonzentration weiter zunehmen. Studien gehen davon aus, dass sich das gesamte durchschnittliche jährliche Erbvolumen in Österreich von aktuell 22 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf 41 Milliarden Euro im Jahr 2050 fast verdoppeln wird. Attac-Berechnungen zeigen, dass sich insbesondere das Vermögen der Milliardär*innen sogar alle 7 Jahre verdoppelt. Somit ist in den nächsten Jahren von einem noch deutlich höheren Einnahmenpotenzial durch Erbschaftssteuern auszugehen.
Download Attac Insight: Die Reichsten erbten über 76 Mrd. Euro steuerfrei