Die von Österreich verursachten Treibhausgasemissionen sind um 40 Prozent höher als die offizielle Klimabilanz zeigt. Das zeigt eine Attac-Auswertung der weltweiten Importe und Exporte konsumbasierter Emissionen. Diese werden auf einer neuen interaktiven Karte (dem Traded Emissions Tracker) der European Climate Foundation nachvollziehbar gemacht. Attac fordert daher, importierte Emissionen in die Klimaziele einzubeziehen und durch eine Regionalisierung der Wirtschaft zu reduzieren.
Laut offiziellen Daten des Umweltbundesamtes lagen die in Österreich produzierten Treibhausgasemissionen (produktionsbasierte Emissionen) im Jahr 2023 bei knapp 69 Megatonnen CO₂-Äquivalent (MtCO₂e). Doch ein großer Teil dessen, was in Österreich konsumiert wird, wird im Ausland produziert und verursacht dort Emissionen. Diese Emissionen scheinen in der österreichischen Klimabilanz nicht auf. Die Daten zeigen, dass Österreich im Jahr 2023 Produkte importierte, die 58 MtCO₂e verursachten. Demgegenüber exportierte Österreich nur knapp 31 MtCO₂e – eine Differenz von 27 MtCO₂e. Somit verursachte Österreich nicht 69, sondern 96 MtCO₂e und damit um 40 Prozent mehr als die offizielle Klimabilanz zeigt.
Österreich liegt damit auf dem 5. Platz unter den EU-Staaten mit den höchsten konsumbasierten Emissionen pro Kopf – und damit deutlich schlechter als bei den produktionsbasierten Emissionen (15. Rang). (Download der Tabellen, Attac-Auswertung).
65 Prozent der importierten Emissionen stammen aus Drittstaaten
Die Attac-Auswertung zeigt zudem, dass 65 Prozent der importierten Emissionen Österreichs nicht aus der EU, sondern aus Drittstaaten stammten. "Die Liberalisierung des Welthandels trägt einen großen Teil zum massiven Emissionsimport Österreichs bei", erklärt Attac-Handelsexpertin Theresa Kofler. Die meisten Emissionen importierte Österreich aus China: knapp 11 MtCO₂e (19 Prozent aller importierten Emissionen). 7 MtCO₂e stammen aus Deutschland (12,3 Prozent), 4 Prozent aus Polen bzw. Russland und 3 Prozent aus den USA.
EU: Importierte Emissionen steigen
Auf EU-Ebene zeigt sich ein ähnliches Bild: Die konsumbasierten Emissionen der EU betrugen im Jahr 2023 in Summe 4048 MtCO₂e. Damit sind sie um rund 21 Prozent höher als der von Eurostat angegebene Wert von 3341 MtCO₂e. Während die territorialen Emissionen der EU zwischen 2015 und 2023 jährlich durchschnittlich um 2,32 Prozent sanken, nahmen die importierten Emissionen um durchschnittlich 1,41 Prozent zu. Für die EU sind China (26 Prozent), die USA (7 Prozent), Russland (6 Prozent) und Indien (5 Prozent) die wichtigsten Importländer von Treibhausgasemissionen.
Die Emissionen Chinas wiederum sind zu 19 Prozent durch den Konsum im Ausland bestimmt.
Importierte Emissionen in die Klimaziele einbeziehen und reduzieren
„Mehr als ein Fünftel der weltweiten Treibhausgasemissionen hängen mit dem globalen Handel zusammen. Diese Emissionen müssen dringend in die Klimaziele einbezogen und reduziert werden. Nur so wird sichtbar, ob nationale Klimapolitik tatsächlich zur Verringerung der globalen Emissionen beiträgt“, fordert Kofler eine Woche vor Beginn der UN-Klimakonferenz im türkischen Antalya. Eine zentrale Stellschraube am Weg zu echter Klimaneutralität ist eine Regionalisierung der Wirtschaft.
Attac fordert daher eine Stärkung der regionalen europäischen Binnenwirtschaft und eine EU-Industriepolitik, die den klimasozialen Umbau aktiv vorantreibt. Das beinhaltet auch eine konsequente Kreislaufwirtschaft und eine regionale öffentliche Beschaffung, die ökologische und soziale Kriterien verbindlich berücksichtigt.
„Aktuell passiert jedoch das Gegenteil: Die EU verfolgt zahlreiche klimaschädliche Handelsabkommen, welche die importierten Emissionen weiter erhöhen“, kritisiert Kofler. Dazu zählen die geplanten EU-Abkommen mit Indien und Indonesien. Letzteres fördert den Handel mit besonders klimaschädlichen Metallen und mit Palmöl. Indien gehört jetzt schon zu den Ländern mit dem höchsten EU-Anteil an importierte Emissionen. Auch bereits abgeschlossene Abkommen führen zu einer massiven Zunahme von importierten Emissionen, darunter etwas das EU-Mercosur-Abkommen (z. B. durch Rindfleisch), das EU-Mexiko-Abkommen (durch Agrar- und Lebensmittelprodukte) oder der EU-Deal mit den USA (durch LNG-Gas).
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Glossar:
- Produktionsbasierte Emissionen: Von den Einwohner*innen eines Landes (Unternehmen, Staat, Haushalte) produzierten Emissionen. Anders als in UNFCCC-Berichten sind internationale Schifffahrt und Luftfahrt eingeschlossen und dem Land des Betreibers zugeordnet.
- Exportierte Emissionen: Im Inland für den Konsum im Ausland freigesetzt.
- Importierte Emissionen: Im Ausland für den inländischen Konsum freigesetzt.
- Konsumbasierte Emissionen: Produktionsbasierte Emissionen + Importe – Exporte
- CO2-Äquivalent (CO₂e): Neben CO2 gibt es weitere Treibhausgase (u.a. Methan, Lachgas), deren Wirkung auf die Erwärmung der Erdatmosphäre in die äquivalente Menge von CO2 umgerechnet wird, damit das Treibhauspotential eines Treibhausgas-Gemisches durch eine einzige Zahl angegeben werden kann.
Hintergrund:
Die Daten des Trackers basieren auf den letzten verfügbaren Daten (2023) von Eurostat FIGARO: FIGARO (Full International and Global Accounts for Research in Input-Output Analysis) ist ein multiregionales Input-Output-Modell (MRIO), das mit Luftemissionskonten kombiniert ist. Es verfolgt Emissionen über globale Lieferketten bis zum Endverbrauch. Weitere Informationen zur Methodologie finden Sie hier.
Die interaktive Karte verarbeitet die Daten aller Länder, jedoch sind derzeit erst 45 Staaten anklickbar. Diese 45 Staaten machen etwa drei Viertel der weltweiten Emissionen aus. Das verbleibende Viertel kann derzeit noch nicht nach einzelnen Ländern aufgeschlüsselt werden.