Attac-Lesekreis Umkämpfte Ressourcen

Treiber, Konsequenzen und politische Aspekte des steigenden Ressourcenverbrauches

Der „menschliche“ Ressourcenhunger scheint unersättlich. Die Strände Marokkos verschwinden zusehends, da jedes Jahr 10 Millionen Kubikmeter Sand abgebaut werden, die dann vor allem in den Betonmischern der Bauindustrie landen. In der chilenischen Atacama-Wüste wird Lithium für die Produktion von Akkus abgebaut, was dazu führt, dass der Grundwasserspiegel immer weiter absinkt. Und in naher Zukunft könnten Schürfroboter großer Bergbaukonzerne sogar am Meeresgrund in 5000 Meter Tiefe Manganknolle abbauen, die angeblich so dringend für die Elektromobilitäts-Wende gebraucht werden. Die globale Ressourcennutzung zerstört nachhaltig Lebensgrundlagen und Ökosysteme und treibt die Klimakrise sowie den Verlust der Biodiversität voran. Trotzdem wird die Extraktion von Ressourcen, sowohl in Land- und Forstwirtschaft als auch im Bergbau immer weiter ausgedehnt. Gemäß Angaben der Vereinten Nationen ist der globale Rohstoffverbrauch von 43 Milliarden Tonnen im Jahr 1990 auf 95 Milliarden Tonnen im Jahr 2019 angestiegen – auch der Energiekonsum hat sich seit 1980 beinahe verdoppelt.

Hinzu kommt, dass der Energiekonsum und die Vernutzung von Rohstoffen (und deren negativen Auswirkungen) extrem ungleich verteilt ist. Die kapitalistische Entwicklung gründet auf einem „ökologisch ungleichem Tausch“, der es einigen wenigen Ländern gewährt, ihre ökologischen Handlungsspielräume zu erweitern, während er sich für viele andere Länder verkleinert. Ökologische Umwälzungen – sechs der neun Planetaren Grenzen gelten bereits als überschritten – sind menschengemacht. Jedoch sind nicht alle Menschen gleichermaßen verantwortlich. Dementsprechend ist es nicht der „Mensch“ oder die „Menschheit“, deren Handeln ursächlich ist für umwälzende Umweltveränderungen, viel eher waren es spezifische gesellschaftliche Verhältnisse, die den Weg ins Anthropozän geebnet haben. Sowohl der Raubbau an Ressourcen, die Aneignung von Landflächen und die Ausbeutung von Arbeitskraft als auch die Externalisierung von Abfällen und Emissionen waren eine essenzielle Voraussetzung für die kapitalistische Wachstumsweise bzw. die Kapitalakkumulation und den Aufbau von materiell-technologischen Infrastrukturen im Globalen Norden. Für den Bau von Solaranlagen, Windrädern oder E-Autos, im Rahmen der „grünen Transformation“ werden in Zukunft enorme Mengen an Ressourcen wie Lithium und Kobalt benötigt. Das sorgt etwa für einen "grünen Wettlauf" in Afrika, wo viele dieser kritischen Rohstoffe im Boden lagern. Der rasant wachsende Bedarf von Ressourcen wird zu einer Verknappung von „kritischen“ Rohstoffen und Verteilungskonflikten führen.

Im Rahmen des Attac-Lesekreises wollen wir die oben beschriebenen Themen- und Problemfelder besprechen und gemeinsam über Alternativen zum Modell des weder ökologisch noch sozial nachhaltigen Rohstoff-Extraktivismus nachdenken. Bei jedem Treffen gibt es ein Schwerpunktthema mit ein bis zwei Texten und Leitfragen. Für die ersten vier Treffen stehen die Termine schon fest und wir stellen die Texte ca. zwei Wochen vorher zur Verfügung. Für die nachfolgenden Treffen werden wir gemeinsam festlegen, wann wir uns treffen wollen und was wir gerne lesen würden, alle sind herzlich eingeladen, Vorschläge einzubringen. Die Texte gelesen zu haben wäre natürlich von Vorteil, aber ist selbstverständlich keine Verpflichtung. Und es geht es vor allem darum, miteinander ins Gespräch zu kommen, Fragen zu klären und positive Visionen zu ersinnen.

Termine

1. Termin: 23.4 um 18:00
Was sind Ressourcen und wie nutzen wir sie?

2. Termin: 7.5 um18:00
Geschichte und Strukturen des Extraktivismus

3. Termin: 21.5 um 18:00
Kolonialismus in grün?

4. Termin: 3.6 um 18:15
Der Europäische Critical Raw Materials Act

Alle Termine finden im Attac Büro, 1050 Margartenstraße 166/3/25 statt.

Wir bitten um Anmeldung unter . Du bekommst rechtzeitig die Unterlagen.