Die Kraft der Zusammenarbeit: Inspirierende Beispiele für soziale Aspekte in der gemeinschaftlichen Energieversorgung
Bericht von Reset über den Fieldtrip nach Österreich
Der folgende Bericht wurde maschinell aus dem Tschechischen übersetzt und stammt von Reset. Er kann im Original hier nachgelesen werden.
Bei Reset beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, wie die Vorteile erneuerbarer Energien auch Menschen zugänglich gemacht werden können, die finanziell benachteiligt sind. Um herauszufinden, welche Ansätze es dafür bereits im Ausland gibt, haben wir im Rahmen des Erasmus+ Projekts in Kooperation mit Attac uns auf eine Reise nach Österreich begeben, um dort Inspiration zu sammeln. Diese Exkursion wurde von der Europäischen Union kofinanziert. Unser Ziel ist es, eine Energie-Gemeinschaft ins Leben zu rufen, die gezielt auch Menschen unterstützt, die von Energiearmut betroffen sind. Gleichzeitig möchten wir ein Modell entwickeln, das über das übliche Bild des typischen Energie-Enthusiasten – meist ein finanziell abgesicherter Ingenieur mittleren oder höheren Alters – hinausgeht. Je vielfältiger die Teilnehmenden solcher Projekte sind, desto zugänglicher, demokratischer und unabhängiger kann unsere Energiezukunft aussehen. Die zentrale Frage dabei: Wie lässt sich der Aufbau von gemeinschaftlicher Energieversorgung mit der aktiven Einbindung verletzlicher Bevölkerungsgruppen vereinen?
Auf unserer Exkursion begleitete uns eine Gruppe Gleichgesinnter – darunter Pionier*innen der gemeinschaftlichen Energie aus der Organisation Veronica in Hostětín und interessierte Menschen aus der Region Ústí, die sich für das Teilen von Strom engagieren.
Wenn du mehr Energie hast, als du brauchst – teile sie mit denen, die zu wenig haben
Unsere erste Station war in Sankt Pölten bei Robin Powerhood. Dieses Projekt verteilt Überschüsse aus Photovoltaikanlagen an Haushalte, die von Energiearmut betroffen sind. Im Fokus stehen hier Klient*innen des Vereins Verein Wohnen, der sich für Menschen einsetzt, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Mittels eines unkomplizierten Jahresvertrags können Stromspender ihren überschüssigen Strom – den sie ansonsten nur zu einem ungünstigen Preis ins Netz einspeisen könnten – gezielt weitergeben. Dadurch sinken die Stromkosten für die Bedürftigen spürbar. Derzeit profitieren etwa 150 Haushalte von dieser solidarischen Energieverteilung. Robin Powerhood wurde für den SozialMarie-Preis nominiert, der innovative soziale Projekte in Mittel- und Osteuropa auszeichnet. Besonders in Zeiten drastisch steigender Energiepreise in Österreich – ausgelöst durch die Aufhebung des Preisdeckels nach der Energiekrise – ist diese Unterstützung wichtiger denn je. Laut aktuellen Erhebungen können rund 4 % der österreichischen Haushalte ihre Wohnungen nicht ausreichend heizen, bei Alleinerziehenden liegt dieser Anteil sogar bei 13 %.

Energie mit Seele
Ein weiteres Projekt, das Menschen in schwierigen Lebenssituationen durch gemeinsame Energienutzung unterstützen will, ist das Schweizer Haus Hadersdorf in Wien. Das Gebäude dient als Anlaufstelle für Menschen mit Suchterkrankungen, die oft auch mit Wohnungs- und Energieproblemen kämpfen. Ziel ist es, das Haus künftig in ein Modellprojekt der Stromteilung einzubinden, damit die dort untergebrachten Personen direkt von erneuerbaren Energiequellen profitieren können. Ebenso sollen die Betroffenen – insbesondere auch Frauen – aktiv in die Organisation der Energiegemeinschaft eingebunden werden. Das Projekt steckt zwar noch in den Anfängen, soll aber bis 2028 vollständig umgesetzt sein. Eine besondere Rolle spielt hier auch die örtliche evangelische Kirche: Im Rahmen des Projekts Energy with Spirit gründete sie eine Energiegenossenschaft. Diese verbindet eine große PV-Anlage (68 kWp) auf dem Dach eines Internats mit einem nahegelegenen Pflegeheim. Der dort erzeugte Stromüberschuss wird an das Heim weitergeleitet. Ein spezieller Tarif sorgt dafür, dass mindestens 10 % des Erlöses aus der überschüssigen Energie direkt an sozial benachteiligte Gruppen in Bad Goisern weitergegeben werden. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie sich soziale Arbeit mit dem sinnvollen Einsatz erneuerbarer Energien verbinden lässt. Die österreichische Gesetzgebung schafft hierfür gute Rahmenbedingungen – etwa durch ein gestaffeltes Netzgebührensystem: Je näher Strom verbraucht wird, desto günstiger ist seine Verteilung. Das entspricht nicht nur sozialer, sondern auch physikalischer Logik – denn je kürzer die Transportwege, desto weniger Netz-Infrastruktur wird benötigt.
Zusätzlich ist Österreich bereits weit fortgeschritten bei der Einführung intelligenter Stromzähler, die kontinuierlich Daten zur Stromnutzung liefern – ein entscheidender Faktor, um lokale Überlastungen im Netz bei Spitzenproduktion zu vermeiden. Bis Ende dieses Jahres soll das Land nahezu flächendeckend mit solchen Smart Metern ausgestattet sein.
Nachbarschaften, die ihre eigene Energie erzeugen
Den Abschluss unserer Reise bildete ein Besuch bei der Grätzl Energie-Genossenschaft – einem der ersten Projekte dieser Art in Wien. „Grätzl“ ist der lokale Begriff für Nachbarschaft, und genau darum geht es: Menschen aus nächster Nähe zusammenzubringen. Im 23. Wiener Bezirk verbindet das Projekt Haushalte, Unternehmen und Bildungseinrichtungen zu einer lokalen Energie-Gemeinschaft. Durch regelmäßige Nachbarschaftsfeste und andere lokale Aktivitäten wird das Projekt vorgestellt und neue Mitglieder werden gewonnen. Ein benutzerfreundliches Software-Tool erleichtert die Teilnahme und könnte auch anderen Initiativen den Einstieg wesentlich erleichtern. Zudem werden Erfahrungen offen geteilt – ganz nach dem Prinzip „Do-it-yourself“-Energiegemeinschaft.
Roland Kuras, der Kopf hinter der Genossenschaft, bringt dabei seine Expertise als Energieberater ein. Er betont jedoch, dass der Aufbau einer funktionierenden Energie-Gemeinschaft ein langfristiger Prozess ist. Die Vorteile seien nicht nur finanzieller Natur – es gehe auch um soziale Verbindung und ökologisches Verantwortungsbewusstsein. Angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Klimakrise – wie etwa den Überschwemmungen in Österreich im letzten Jahr – ist das Engagement in nachhaltige Strukturen wichtiger denn je.

Und was nehmen wir mit?
Unsere Reise brachte nicht nur Antworten, sondern auch viele neue Fragen mit sich: Wie können Menschen, die selbst von Energiearmut betroffen sind – so wie viele von uns – ein Modell des Teilens entwickeln, das nicht auf Stromspenden angewiesen ist?
Lässt sich der Energieverbrauch gezielt so steuern, dass erneuerbare Energien besser genutzt werden können?
Fragen wie diese werden uns auch in unseren zukünftigen Aktivitäten begleiten – auf der Suche nach gerechten, gemeinschaftlichen und zukunftsfähigen Lösungen für die Energiewende.
Weitere Infos und Videos zum Fieldtrip sind auf dem Instagram-Profil von Reset zusehen, im Story-Highlight " Exkurze".

Haftungsausschluss
Dieses Projekt wurde von der Europäischen Union mitfinanziert. Die darin geäußerten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschließlich die der Autor*innen und spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Europäischen Union oder der OeAD-GmbH wider. Weder die Europäische Union noch die Förderstelle können dafür verantwortlich gemacht werden.