Gutes Leben für alle statt Profite für wenige!
Attac Deklaration 2025
Unsere Analyse
Ein kurzer Blick zurück
Seit unserer Gründung im Jahr 2000 stellen wir der neoliberalen Globalisierung konkrete Alternativen für eine gerechtere Welt entgegen. Wir decken die Probleme des Wirtschaftssystems auf, zeigen die Macht und Interessen der Profiteur*innen und fördern das Verständnis für globale Zusammenhänge.
Mit Kampagnen, Aktionen und (inter)nationalen Bündnissen haben wir die negativen Folgen deregulierter Finanzmärkte, neoliberaler Handels- und Energiepolitik und der Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen verdeutlicht. Unsere Vorschläge zur demokratischen Kontrolle der Finanzmärkte, zur gerechten Besteuerung von Konzernen und für einen fairen Beitrag der Reichsten werden heute weltweit diskutiert. Zudem stoßen unsere Forderungen nach einer demokratischen Energieversorgung auf breite Zustimmung.
Wir haben aufgezeigt, dass die EU nicht primär ein „Friedensprojekt“ ist, sondern einen Raum verschärfter Konkurrenz – zwischen den EU-Staaten und weltweit. Die Kritik und die Proteste der globalisierungskritischen Bewegung haben zentrale neoliberale Projekte gestoppt, etwa die „Doha-Runde“ der Welthandelsorganisation (WTO) oder das EU-USA-Abkommen TTIP. Auch die Paralleljustiz für Konzerne (ISDS) wird immer stärker infrage gestellt.

Die globalen Krisen verschärfen sich
Trotz aller Erfolge spitzen sich die globalen Krisen zu: Die Klimakrise und der Verlust der Biodiversität beschleunigen sich, natürliche Ressourcen werden übernutzt, unsere Lebensgrundlagen zerstört. Flächenbrände, Trockenheit, Überschwemmungen und Stürme nehmen zu, viele planetare Grenzen sind bereits überschritten. Die reichsten 10 Prozent verursachen dabei den Großteil der CO₂-Emissionen, die ärmsten Bevölkerungsgruppen leiden am stärksten unter den Folgen. Immer mehr Menschen fliehen vor den katastrophalen Auswirkungen der Klimakrise.
Gleichzeitig wächst die Ungleichheit: Vermögen, Ressourcen und Macht konzentrieren sich zunehmend in den Händen weniger. Während eine kleine Elite ihren Reichtum immer weiter ausbaut, hungern weltweit rund 750 Millionen Menschen. Sozial- und Gesundheitssysteme werden systematisch ausgehöhlt, öffentliche Infrastruktur geschwächt und immer mehr Bereiche des Lebens privatisiert. Diese Entwicklung verschärft nicht nur Armut und Ausgrenzung, sondern schwächt auch demokratische Teilhabe und gefährdet den sozialen Zusammenhalt. Zahlreiche Studien zeigen, dass Ungleichheit Gesellschaften kränker, unzufriedener, gewalttätiger und instabiler macht.
Die Abhängigkeit von fossiler Energie, oft aus autokratischen Regimen, und unser profitorientiertes Energiesystem hat eine Energie- und Teuerungskrise ausgelöst. Viele können ihre Grundbedürfnisse kaum noch decken, während Konzerne Rekordgewinne erzielen.
Die Abhängigkeit von globalen Lieferketten und Just-in-Time-Produktion (Lieferung exakter Mengen zum benötigten Zeitpunkt) gefährdet nicht nur das Klima, sondern auch unsere Versorgungssicherheit mit wichtigen und lebensnotwendigen Gütern (etwa Medikamenten). Die Pandemie hat auch gezeigt, wie fatal eine Ausrichtung von Gesundheitssystemen auf Profit statt Versorgung sein kann.
Profit- und Wachstumslogik sowie eine auf „Wettbewerbsfähigkeit“ und globale Konkurrenz ausgerichtete Politik schüren zudem geopolitische Spannungen. Das bereitet den Boden für neue Kriege, die Tod, Leid und eine weitere Verschärfung ökologischer Krisen bringen.
Die Regierungen verschärfen die Krisen weiter
Diese Entwicklungen müssten politische Entscheidungsträger*innen eigentlich dazu veranlassen, ihre Politik grundlegend zu ändern. Doch demokratisch gewählte Vertreter*innen treffen weiter Entscheidungen, die vor allem den Interessen großer Konzerne und der Reichsten dienen – und verschärfen damit die Krisen noch.
Die Macht der Kapitalinteressen und ihre Verflechtung mit der Politik wachsen stetig. Zentrale Entscheidungen entziehen sich der demokratischen Mitbestimmung: Sie werden an „Expert*innen“ oder „Beratungsgremien“ ausgelagert – oder direkt im Einklang mit den Interessen der Reichsten und den „Standortinteressen“ der Konzerne getroffen. Zudem fallen politische Entscheidungen zunehmend intransparent in supranationalen Institutionen (wie OECD, IWF, WTO, EU), die die demokratischen Handlungsspielräume von Staaten einschränken. Konzerne haben dort oftmals privilegierten Zugang, während demokratische Teilhabe stark eingeschränkt ist.
Die Folge ist eine allgemeine Politikverdrossenheit und schwindendes Vertrauen in die Demokratie. Immer mehr Menschen wenden sich von demokratischen Prozessen, Institutionen und politischem Engagement ab oder unterstützen Kräfte, die die Demokratie weiter abbauen. Davon profitieren in vielen Ländern vor allem rechtsextreme und nationalistische Bewegungen – obwohl sie selbst eng mit Kapitalinteressen verschränkt sind.
Da ein „weiter wie bisher“ nicht möglich ist, müssen wir unser Wirtschaftssystem und seine Machtverhältnisse grundlegend hinterfragen.
Unser Wirtschaftssystem: maximaler Profit und grenzenloses Wachstum
Die Art und Weise, wie wir heute vorwiegend produzieren, stellt eine bisher noch nie gekannte Fülle an Gütern und Dienstleistungen bereit. Damit könnten theoretisch die Grundbedürfnisse aller Menschen auf unserem Planeten befriedigt werden. Doch dieses Wirtschaftssystem, der Kapitalismus, ist nicht darauf ausgerichtet, dieses Ziel zu erreichen. Er stellt die Maximierung des Profits ins Zentrum, basiert auf der Ausbeutung von Menschen, scheinbar unbegrenzten Ressourcen und dem Zwang zu grenzenlosem Wachstum. Heute sind beinahe alle Bereiche der Gesellschaft dieser Logik unterworfen.
Angesichts der kapitalistischen Machtverhältnisse ist es naiv darauf zu vertrauen, dass Politiker*innen nur auf Basis von „guten Argumenten“ ihre geliehene Macht dazu nutzen, Gesetze zu beschließen, die mit der Profit- und Wachstumslogik brechen. Zudem liegt die hohe politische Zustimmung vieler Menschen zum Kapitalismus auch an der scheinbaren Alternativlosigkeit zum aktuellen Produktions- und Konsummodell. Doch wir müssen die Art und Weise, wie und für wen wir produzieren und wie wir konsumieren, gänzlich umgestalten.

Unsere Vision
Drei Prinzipien des Wirtschaftens
Die Vision von Attac ist ein gutes Leben für alle – heute und in Zukunft. Im Zentrum des Wirtschaftens stehen dabei folgende drei Prinzipien:
1. Ökologische Nachhaltigkeit
Die planetaren Grenzen werden eingehalten, die Klimaerhitzung beschränkt und die natürlichen Lebensgrundlagen und die Biodiversität geschützt. Ressourcen wie Boden, Wasser und Pflanzen werden gerecht und umweltschonend genutzt und Umweltverschmutzung vermieden. Erneuerbare Energie wird so weit ausgebaut, dass gesellschaftliche Bedürfnisse ohne fossile Brennstoffe gedeckt werden können. Kreislaufwirtschaft ist ein zentrales Prinzip für nachhaltige Produktions- und Konsummuster. Das erfordert eine deutliche Verringerung des Ressourcen- und Energieverbrauchs – im Sinne der globalen Gerechtigkeit vor allem für jene Regionen und Bevölkerungsgruppen, die den höchsten Verbrauch aufweisen. Nötig sind eine Abkehr vom Wachstumsparadigma und ein gerechter und geplanter Rückbau von Wirtschaftsbereichen, die nicht zukunftsfähig sind („Just Transition“).
2. Gemeinwohlorientierung
Ziel des Wirtschaftens ist das größtmögliche Gemeinwohl – lokal wie global. Der Fokus liegt auf dem Versorgungs- und Vorsorgeprinzip und nicht auf Gewinnmaximierung. Die grundlegenden Bedürfnisse aller Menschen werden befriedigt. Kooperation, Solidarität und Verantwortung sind handlungsleitende Prinzipien. Machtunterschiede zwischen Menschen unterschiedlicher Geschlechter, Klassen, Herkunftsgruppen sowie Kontinente werden abgebaut. Die Würde und die Rechte aller Menschen werden geachtet.
3. Soziale Sicherheit und gerechte Verteilung
Gesellschaftlicher Wohlstand wird in einer sozial gerechten Form (re-)produziert. Einkommen, Vermögen und gesellschaftliche notwendige Arbeit sind (global und regional) gerecht verteilt – auch zwischen den Geschlechtern. Eine universelle Grundversorgung durch Gemeingüter und andere Formen wie das Bedingungslose Grundeinkommen garantieren soziale Sicherheit sowie soziale und kulturelle Teilhabe als Grundrecht für alle. Soziale Sicherheit ist keine Frage des Reichtums einer Gesellschaft, sondern eine Frage der Produktion und der Verteilung, zu der auch ein gerechtes Steuersystem mit progressiven Steuern beiträgt.
Der Weg: eine demokratische Wirtschaft und Gesellschaft
Die Umsetzung dieser drei Prinzipien erscheint angesichts der aktuellen Machtverhältnisse utopisch. Allerdings galten viele soziale Errungenschaften früher als Utopien, deren Realisierung erst erkämpft werden musste. Daher setzen auch wir uns heute dafür ein, Wirtschaft und Gesellschaft umfassend zu demokratisieren und Machtverhältnisse zu verschieben:
Nötig ist einerseits eine Stärkung transparenter und demokratischer Institutionen und Prozesse, die den Einfluss finanzstarker Gruppen eindämmen – von der Parteienfinanzierung bis zur Regulierung des Lobbyismus. Auch der Ausbau direktdemokratischer Elemente zählt hierzu. Für Entscheidungen, die global getroffen werden, braucht es ebenfalls neue demokratische Formen und Institutionen, die breite Partizipation ermöglichen und den nötigen Handlungsspielraum von Staaten nicht einschränken.
Umfassende Demokratisierung bedeutet, dass alle Menschen – auch jene, die heute oft nicht einmal wahlberechtigt sind – informiert teilhaben und in allen Lebensbereichen mitentscheiden können. Mitbestimmung in Wohnprojekten, in der Schule oder am Arbeitsplatz sollte genauso möglich sein wie bei öffentlichen Aufgaben und Dienstleistungen wie Verkehrsorganisation, Raumplanung, Sozialgesetzgebung oder beim öffentlichen Budget. Dringend nötig ist zudem eine Demokratisierung der Medien und der digitalen Infrastruktur.
Umfassende Demokratisierung schließt auch die Wirtschaft mit ein: Wie werden lebenswichtige Ressourcen genutzt und geschützt? Wem gehören die Produktionsmittel? Wie wird der gemeinsam erwirtschaftete Wohlstand verteilt? Was wird wie produziert, damit Güter und Dienstleistungen das Gemeinwohl steigern und die Lebensgrundlagen langfristig erhalten? In zentralen Bereichen soll die Gesellschaft gemeinsam darüber entscheiden.

Elemente einer klimasozialen Transformation
Erst mit einer Demokratisierung von Wirtschaft und Gesellschaft wird es gelingen, die dringend nötige klimasoziale Transformation umzusetzen. Sie beinhaltet folgende Elemente:
- Starke Gemeingüter
Bildung und Gesundheit, Pflege und Kinderbetreuung, Wohnen und öffentlicher Verkehr und sichere Energieversorgung sind Voraussetzungen für jede funktionierende Gesellschaft. Auch natürliche und kulturelle Güter wie Wasser, Luft und Boden oder Kunst und Wissen sind unverzichtbar für unsere Lebensqualität und Teilhabe an der Gesellschaft. Viele dieser Gemeingüter wurden in den vergangenen Jahrzehnten durch Liberalisierung und Privatisierung der Markt- und Profitlogik untergeordnet und geschwächt. Die Folge sind oftmals steigende Preise, mehr Umweltzerstörung und Entlassungen von Beschäftigten. Versorgungssicherheit und Qualität bleiben auf der Strecke.
Unser Ziel ist es, Gemeingüter zu stärken: Gemeingüter müssen für alle zugänglich sowie öffentlich oder gemeinschaftlich bereitgestellt und genutzt werden. Der Zugang zu ihnen ist ein grundlegendes Menschenrecht – keine Quelle für Profitmaximierung. Deshalb gilt es, sie der Profitlogik zu entziehen.
Gemeingüter gehören in öffentliche oder kooperative Hand, mit demokratischer Verwaltung und Kontrolle sowie solidarischer Finanzierung. Große Konzerne im Bereich der Grundversorgung können dazu auch enteignet werden. Starke Gemeingüter schaffen Alternativen zur Wachstumsökonomie und orientieren sich an den Bedürfnissen der Menschen.
Energie: Energieversorger müssen gemeinnützig wirtschaften und einen Grundbedarf an leistbarer und sauberer Energie für alle bereitstellen. Kosten für den Ausbau und die Instandhaltung des Energienetzes müssen gerecht aufgeteilt werden. Energiepreise dürfen nicht von Spekulation an intransparenten Energiebörsen abhängig sein. Extremer Luxusverbrauch muss beschränkt und massiv verteuert werden.
Wohnen: Öffentlicher, kommunaler und gemeinnütziger Wohnraum muss gestärkt und Privatisierungen müssen rückgängig gemacht werden. Leerstand muss verhindert werden. Wohnraum darf kein Spekulationsobjekt sein, das leer steht, während Menschen auf der Straße schlafen. Obergrenzen für Mieten sind Voraussetzung für leistbares Wohnen.
Gesundheit: Jeder Mensch hat Anspruch auf kostenlosen Zugang zu medizinischer Versorgung, die solidarisch über Versicherungen und Steuern zu finanzieren ist. Gesundheitseinrichtungen müssen vor Marktlogik, Privatisierung und Profitinteressen geschützt werden. Medizinisches Wissen ist ein öffentliches Gut, die Produktion leistbarer Medikamente eine öffentliche Aufgabe. Sie müssen generell als globale Gemeingüter der Menschheit definiert werden.
Bildung: Bildung darf nicht vom Einkommen oder sozialem Status abhängen. Schulen, Universitäten und Weiterbildungseinrichtungen müssen gebührenfrei und inklusiv zugänglich sein. Lehrinhalte dürfen nicht von Geschäfts- und Profitinteressen bestimmt werden. Bildung heißt aufklären, kritisch diskutieren und zum politischen Handeln (im Interesse der Vielen) befähigen.
Pflege und Kinderbetreuung: Qualitativ hochwertige Pflege und Kinderbetreuung verbessern das Leben der Menschen. Sie sind zudem unerlässlich für soziale Teilhabe und Geschlechtergerechtigkeit. Essenzielle persönliche Dienstleistungen müssen als öffentliche Aufgaben für alle zugänglich, abgesichert, gut finanziert und fair bezahlt werden.
Mobilität: Öffentliche Mobilität und Verkehrsinfrastruktur sind ein Schlüssel für soziale Gerechtigkeit, Gesundheit und Klimaschutz. Sie müssen flächendeckend, leistbar und ökologisch ausgerichtet organisiert werden. Niemand sollte vom Individualverkehr, insbesondere vom Auto, abhängig sein.
Digitale Infrastruktur und Daten: Leistbarer Zugang zum Internet und Netzneutralität sichern die demokratische Teilhabe. Digitale Plattformen, künstliche Intelligenz und Daten müssen als Gemeingut reguliert und vor privater Monopolisierung geschützt werden. Zugleich gibt es ein Recht auf analoges Leben.
Einige Beispiele dafür:
Energie
Energieversorger müssen gemeinnützig wirtschaften und einen Grundbedarf an leistbarer und sauberer Energie für alle bereitstellen. Kosten für den Ausbau und die Instandhaltung des Energienetzes müssen gerecht aufgeteilt werden. Energiepreise dürfen nicht von Spekulation an intransparenten Energiebörsen abhängig sein. Extremer Luxusverbrauch muss beschränkt und massiv verteuert werden.
Wohnen
Öffentlicher, kommunaler und gemeinnütziger Wohnraum muss gestärkt und Privatisierungen müssen rückgängig gemacht werden. Leerstand muss verhindert werden. Wohnraum darf kein Spekulationsobjekt sein, das leer steht, während Menschen auf der Straße schlafen. Obergrenzen für Mieten sind Voraussetzung für leistbares Wohnen.
Gesundheit
Jeder Mensch hat Anspruch auf kostenlosen Zugang zu medizinischer Versorgung, die solidarisch über Versicherungen und Steuern zu finanzieren ist. Gesundheitseinrichtungen müssen vor Marktlogik, Privatisierung und Profitinteressen geschützt werden. Medizinisches Wissen ist ein öffentliches Gut, die Produktion leistbarer Medikamente eine öffentliche Aufgabe. Sie müssen generell als globale Gemeingüter der Menschheit definiert werden.
Bildung
Bildung darf nicht vom Einkommen oder sozialem Status abhängen. Schulen, Universitäten und Weiterbildungseinrichtungen müssen gebührenfrei und inklusiv zugänglich sein. Lehrinhalte dürfen nicht von Geschäfts- und Profitinteressen bestimmt werden. Bildung heißt aufklären, kritisch diskutieren und zum politischen Handeln (im Interesse der Vielen) befähigen.
Pflege und Kinderbetreuung
Qualitativ hochwertige Pflege und Kinderbetreuung verbessern das Leben der Menschen. Sie sind zudem unerlässlich für soziale Teilhabe und Geschlechtergerechtigkeit. Essenzielle persönliche Dienstleistungen müssen als öffentliche Aufgaben für alle zugänglich, abgesichert, gut finanziert und fair bezahlt werden.
Mobilität
Öffentliche Mobilität und Verkehrsinfrastruktur sind ein Schlüssel für soziale Gerechtigkeit, Gesundheit und Klimaschutz. Sie müssen flächendeckend, leistbar und ökologisch ausgerichtet organisiert werden. Niemand sollte vom Individualverkehr, insbesondere vom Auto, abhängig sein.
Digitale Infrastruktur und Daten
Leistbarer Zugang zum Internet und Netzneutralität sichern die demokratische Teilhabe. Digitale Plattformen, künstliche Intelligenz und Daten müssen als Gemeingut reguliert und vor privater Monopolisierung geschützt werden. Zugleich gibt es ein Recht auf analoges Leben.
- Ernährungssouveränität
Zerstörte bäuerliche Betriebe, übernutzte Ressourcen und enorme Markt- und Machtkonzentration bei wenigen Agrar-, Lebensmittel- und Handelskonzernen: Zentrale Treiber dieser Entwicklung sind die Industrialisierung von Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion sowie die Förderung eines globalen Agrarmarktes durch neoliberale Handelsabkommen (wie EU-Mercosur oder das WTO-Agrarabkommen). Gleichzeitig haben Milliarden von Menschen keinen Zugang zu ausreichenden, sicheren und nahrhaften Lebensmitteln. Konzerne eignen sich in großem Stil Land, Saatgut und Wasser an, vor allem im Globalen Süden oder in Osteuropa.
Unser Ziel ist Ernährungssouveränität: Sie orientiert sich am Menschenrecht auf Nahrung und bedeutet, dass Menschen ihre Lebensmittel- und Agrarpolitik – und damit die Art und Weise der Produktion, der Verteilung und des Konsums – selbst bestimmen können. Ernährungssouveränität ermöglicht vielfältige, an regionale und lokale Bedingungen angepasste Lebensmittel- und Agrarsysteme.
Ziel ist eine Landwirtschaft, die den Zugang zu gesunden, leistbaren und ökologisch nachhaltig produzierten Lebensmitteln für alle garantiert. Ernährungssouveränität sichert den Produzent*innen ein gerechtes Einkommen und die Lebensgrundlagen kommender Generationen. Vorrang haben kleinbäuerliche und agrarökologische, solidarische Landwirtschaft sowie lokale, regionale und kontinentale Märkte – statt Exportorientierung und Abhängigkeit vom Weltmarkt.

- Gemeinwohlorientierte Finanzwirtschaft
Die globalen Finanzmärkte gleichen heute einem Casino, in dem mit Aktien, Krediten, Wechselkursen und sogar mit lebenswichtigen Gütern wie Lebensmitteln und Energie spekuliert wird. Das führt zu schweren Krisen und gefährdet die Wirtschaft und unsere Lebensgrundlagen. Während die hohen Gewinne des globalen Finanzcasinos nur Wenigen zugutekommen, muss die Allgemeinheit für die Folgen von Finanzkrisen bezahlen.
Unser Ziel ist ein gemeinwohlorientiertes Finanzsystem: Kurzfristig müssen das Finanzcasino geschlossen und die Macht des Finanzsektors und der Reichen beschränkt werden. Erste Schritte dazu sind die Zerteilung systemrelevanter Banken, strengere Eigenkapital- und Bilanzierungsregeln, die Einführung einer Finanztransaktionssteuer und die Schließung von Steuersümpfen. Finanzprodukte müssen genehmigungspflichtig sein und die Finanzierung fossiler Projekte muss verboten werden. Um den Finanzsektor zu schrumpfen und den gesellschaftlichen Reichtum gerechter zu verteilen, sind progressive Steuern auf Vermögen und Kapitalgewinne nötig.
Langfristig müssen wir ein alternatives und öffentliches Finanzsystem mit einem demokratischen und nicht gewinn-, sondern gemeinwohlorientierten Bankensystem aufbauen. Kredite müssen nach sozialen, ökologischen und demokratischen Kriterien vergeben werden, um nachhaltige Projekte zu finanzieren. Wesentliche gesellschaftliche Bereiche – etwa die Altersvorsorge, Energie- und Rohstoffpreise, Wechselkurse oder Klimaschutz – müssen der Spekulation an Finanzmärkten entzogen und öffentlich organisiert werden.
- Gerechte Handelspolitik und Regionalisierung der Wirtschaft
Das aktuelle Welthandelssystem dient vor allem den Interessen von transnationalen Konzernen und großen Kapitalbesitzer*innen. Die Produktion für „billigen“ Konsum im globalen Norden wird dabei an Standorte mit den geringsten Sozial- und Umweltstandards ausgelagert. Das verfestigt neokoloniale Verhältnisse. Die Regeln der WTO und zahlreiche zwischenstaatliche Abkommen forcieren Liberalisierung und Deregulierung und schränken politische Spielräume ein. Die Folge sind mehr soziale Ungleichheit und wirtschaftliche Macht in den Händen weniger. Überflüssiger Handel, der auf billiger fossiler Energie und viel zu niedrigen Transportkosten beruht, befeuert zudem die Klimaerhitzung.
Unser Ziel ist eine gerechte Handelspolitik und eine Regionalisierung der Wirtschaft: Angesichts der Klimakrise braucht es resiliente Produktions- und Lieferketten, die Transport reduzieren, regionale Wertschöpfung stärken und sichere, hochwertige Arbeitsplätze schaffen. Staaten muss es möglich sein, regionale Wirtschaftskreisläufe zu schützen und lokale Lieferant*innen zu bevorzugen. Genau das verhindern jedoch die aktuellen globalen Handelsregeln und EU-Verträge. Güter und Dienstleistungen, die lokal produziert und konsumiert werden können, sollen auch lokal hergestellt werden. Jene Güter, die aus Gründen der Effizienz größere Unternehmenseinheiten erfordern (z. B. die Herstellung von Eisenbahnen oder Schienen) sollen auf kontinentaler Ebene organisiert sein.
Wo globaler Handel notwendig ist, muss er Kooperation, Solidarität und Güter, die die regionalen Ökonomien wechselseitig ergänzen, ins Zentrum stellen – und nicht die Profitinteressen exportorientierter Konzerne. Menschenrechte und Umweltstandards müssen dabei entlang der gesamten Lieferkette verpflichtend und sanktionierbar eingehalten werden. Faire Rohstoffabkommen sollen die Mitsprache der lokalen Bevölkerung und den Abbau nach höchsten sozialen und ökologischen Standards sichern. Neoliberale Handelsabkommen müssen gestoppt oder grundlegend überarbeitet werden.

- Gerechte Verteilung von Arbeit
Die Arbeit vieler Generationen weltweit ist die Basis von Wissen und Wohlstand. Doch Erwerbsarbeit wird in der konkurrenz- und profitorientierten Marktwirtschaft als Ware gehandelt und als Kostenfaktor gesehen. Löhne und Arbeitsstandards geraten unter Druck. Existenzsichernde Erwerbsarbeit ist für viele Menschen unerreichbar oder findet unter prekären Bedingungen statt.
Mehr als die Hälfte aller geleisteten Arbeitsstunden in Österreich ist unbezahlt. Die für das Funktionieren der Gesellschaft unverzichtbare Sorgearbeit (wie Hausarbeit, Kindererziehung oder die häusliche Pflege) wird mehrheitlich von Frauen geleistet. Ohne diese unbezahlte Arbeit könnte das kapitalistische Wirtschaftssystem nicht funktionieren.
Unser Ziel ist die gerechte Verteilung von Arbeit – insbesondere der Sorgearbeit: Bezahlte und unbezahlte Arbeit muss gerecht verteilt, fair entlohnt und gesellschaftlich anerkannt werden. Was, wie und unter welchen Bedingungen gearbeitet wird, soll sich zudem an menschlichen Bedürfnissen und der Herstellung gesellschaftlich notwendiger Güter und Dienstleistungen orientieren. Auf lange Sicht plädieren wir eine substantielle Reduktion der Erwerbsarbeit mit dem Ziel 20 bis 25 Stunden pro Woche, um innerhalb der planetaren Grenzen mit einer nachhaltigeren Lebensweise das zu produzieren und zu leisten, was wir zum guten Leben brauchen.
Gerecht verteilte, existenzsichernde und erfüllende Arbeit – selbstbestimmt und gemeinschaftlich organisiert – gibt den Menschen mehr Freiheit, über ihre Lebenszeit zu verfügen. So bleibt Zeit für eine gerechte Aufteilung von Sorgearbeit, Zeit für sich selbst, für Bildung und Entwicklung, Zeit für kreatives Schaffen, für politisches Engagement oder bewusstes Nichtstun, Erholung und Entspannung. All das ist gleichwertig und muss allen Menschen offenstehen. Zeit für alle zu schaffen, ist Grundlage für ein gutes Leben für alle.

Unsere Strategien für eine bessere Welt
Politik gestalten und Alternativen leben
Wie sehr wir all diese Ziele verwirklichen können, ist nicht vorrangig eine Frage von innovativen Vorschlägen und guten Argumenten – sondern von öffentlichem Druck, sozialen Kämpfen und Machtverhältnissen. Wie sich letztere verschieben, hängt davon ab, wie stark soziale Bewegungen – wie Attac – die aktuellen Strukturen herausfordern und Menschen sich organisieren.
Weltweit setzen Menschen bereits heute sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Wirtschaftsformen auf lokaler Ebene um. Sie kämpfen auf regionaler, nationaler oder globaler Ebene für entsprechende politische Rahmenbedingungen für eine klimasoziale Transformation. Dabei geht es nicht darum, ein einziges – für die ganze Welt und alle Gesellschaftsbereiche gültiges – Wirtschaftsmodell zu entwickeln. Wir müssen die Vielschichtigkeit der aktuellen Krisen berücksichtigen und Wirtschaftsformen entwickeln, die an die lokalen, sozialen und ökologischen Bedingungen angepasst sind.
Unsere Strategien:
Wir informieren über wirtschaftliche Zusammenhänge und schaffen Räume für Reflexion und Diskussion, um Menschen zu ermächtigen, selbst aktiv zu werden. (Ökonomische Alphabetisierung).
Wir zeigen Kräfte und Interessen auf, die einer gerechteren und solidarischen Welt im Weg stehen und leisten Widerstand gegen Akteure und Prozesse, die diesen Zielen entgegenlaufen.
Wir entwickeln konkrete politische Forderungen und tragen sie mit Kampagnen, Aktionen und Protesten in die Öffentlichkeit. Damit zeigen wir die Möglichkeit einer anderen Welt auf und üben Druck auf politische Entscheidungsträger*innen aus.
Wir vernetzen uns mit zivilgesellschaftlichen Initiativen in Österreich, Europa und weltweit, um in Bündnissen gemeinsam politische Macht von unten aufzubauen.
Wir unterstützen und beteiligen uns an nichtkapitalistischen Initiativen, vor allem auf lokaler Ebene, die eine bessere Welt aktiv gestalten und auf Kooperation, Demokratie und Solidarität beruhen.
Unser Einsatz für eine bessere Welt ist ermächtigend, aber auch anstrengend und ermüdend. Deshalb achten wir aufeinander, stärken uns gegenseitig und praktizieren ein besseres Leben für alle im Umgang miteinander. Wir werden als Bewegung weiter wachsen, unsere Unabhängigkeit bewahren und den Mut für Veränderung nicht verlieren.

Weiterführendes
Aktiv werden
Attac, das sind hunderte ehrenamtliche Aktive, die sich für eine demokratische und sozial gerechte Gestaltung der globalen Wirtschaft einsetzen. Der Großteil Arbeit von Attac basiert auf dem Engagement in den Attac Gruppen.
Melde dich bei uns oder direkt bei einer Gruppe deiner Wahl – die Kontaktadresse findest du auf den Gruppenseiten.
Werde Teil unserer Bewegung, wir freuen uns über neue engagierte Menschen!


