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EU-Mercosur: Attac kritisiert falsche ökonomische Brille

WIFO-Ökonomen blenden soziale und ökologische Kosten aus

Das EU-Mercosur-Abkommen ist politischer Ausdruck überholten ökonomischen Denkens, kritisiert Attac die heutigen Ausführungen von Ökonomen des WIFO.* „In der Debatte dominieren neoklassische Sichtweisen, die auf Wachstum, Export und Konsumpreise fokussieren und dabei soziale und ökologische Kosten vernachlässigen“, kritisiert Theresa Kofler von Attac Österreich.

Laut der aktuellsten EU-Schätzung soll das Abkommen bis 2040 ein Wachstum von nur 0,05 Prozent in der EU bringen. Dem gegenüber stehen massive Schäden: die Zerstörung des Amazonas und anderer Ökosysteme, zunehmender globaler Güterverkehr, der Verlust von Arbeitsplätzen, sinkende Ernährungssicherheit und das Verpassen der längst überfälligen sozial-ökologischen Transformation. „Diese ‚externen Effekte‘ verursachen höhere Kosten für die Allgemeinheit als ein halbes Promille Wachstum kurzfristigen Nutzen“, erklärt Kofler.

Die massiven Schäden können langfristig die Beziehungen mit Südamerika nur schwächen und somit auch die geopolitische Situation der EU nicht verbessern. 

Kurswechsel in der Handelspolitik nötig

Attac Österreich fordert daher einen Kurswechsel - weg von neoklassischer Wachstumsfixierung hin zu solidarischer, ökologischer und demokratischer Handelspolitik. Diese muss globale soziale und ökologische Effekt berücksichtigen sowie die Einhaltung der Pariser Klimaziele, den Schutz von Biodiversität, gute Arbeitsbedingungen und die Stärkung regionaler Kreislaufwirtschaft zum Ziel haben.

„Die entscheidende Frage lautet nicht, ob das Abkommen ein halbes Promille Wachstum bringt, sondern ob es Krisen verschärft oder zu ihrer Lösung beiträgt. Die Gleichung Mehr Handel ist gleich mehr Wohlstand geht sich in Zeiten von Klimakrise, Biodiversitätsverlust und sozialer Spaltung jedenfalls nicht mehr aus“, erklärt Kofler.

* Die Dominanz neoklassischer Theorien ist kein Zufall. Politische Entscheidungsträger*innen und Industrieverbände stützen sich auf Studien von Instituten, die der Neoklassik verhaftet sind. Sie reproduzieren so ein Bild, das ökologische Grenzen und soziale Realität systematisch ausblendet.