Wie extreme Vermögenskonzentration schadet

Eine hohe Vermögenskonzentration schadet der Gesellschaft in vielerlei Hinsicht

1. Extreme Vermögenskonzentration schadet der Demokratie

Extreme Vermögenskonzentration verleiht den Reichsten eine ökonomische, politische und gesellschaftliche Macht jenseits jeglicher demokratischer Kontrolle. Sie gibt ihnen die Macht, die Gesellschaft zu gestalten, ohne die Gesellschaft miteinzubeziehen.

Die Reichsten können einerseits ihre politischen Interessen immer stärker durch Lobbying, Parteispenden, mediale Macht und Finanzierung von „Denkfabriken“ aber auch mittels Korruption durchsetzen. Bestens dokumentiert sind zudem die zahllosen Seitenwechsel von Politiker*innen, die ihre Kontakte und Netzwerke unmittelbar nach dem Ausscheiden aus politischen Ämtern hoch vergütet für die Interessen der Reichsten zur Verfügung stellen.

Die Vermögendsten unterstützen dabei mehrheitlich eine Wirtschaftspolitik, die den Sozialstaat und staatliche Umverteilung schwächen, Steuern für Unternehmensgewinne oder Kapitalerträge senkt oder eine effektive klimasoziale Politik ablehnt. Das verhängnisvolle Ergebnis ist die Verzerrung der öffentlichen Politik zulasten der Mehrheit und zugunsten der Interessen von Eliten. Als Folge davon führt eine hohe Vermögenskonzentration zu immer mehr Vermögenskonzentration.

Auch die oft gepriesene Wohltätigkeit der Reichsten untergräbt die Demokratie. Inwieweit ihre Spenden im Hinblick auf gesellschaftliche Bedürfnisse oder Notwendigkeiten sinnvoll sind, entzieht sich völlig demokratischen Prozessen und demokratischer Kontrolle. Spenden verstärken sogar ihre gesellschaftliche Macht und können demokratische und sozialstaatliche Strukturen weiter schwächen.

Ein Wirtschaftssystem, dessen Strukturen den Reichsten immer mehr in die Hände spielen, ist Gift für die Demokratie. Denn ein immer größerer Anteil der Bevölkerung sieht so seine ökonomischen und politischen Interessen gar nicht mehr vertreten – oder ist durch fehlende soziale Absicherung kaum in der Lage, umfassende demokratische Partizipationsrechte wahrzunehmen. Die Folge: Viele Menschen wenden sich von demokratischen Prozessen, Institutionen und politischem Engagement ab – oder unterstützen sogar antidemokratische Kräfte. Laut einer Umfrage glaubten im Jahr 2020 nur 43 Prozent im ökonomisch schwächsten Drittel, dass das politische System in Österreich gut funktioniert. Im obersten Drittel waren es 78 Prozent. Im ökonomisch schwächsten Drittel vertrauten nur 33 Prozent dem Parlament; im ökonomisch stärksten Drittel waren es 70 Prozent.

2. Extreme Vermögenskonzentration entzieht der Gesellschaft wichtige finanzielle Mittel

Studien zeigen, wie die Reichsten ihren Beitrag zum Gemeinwohl umgehen können und die Finanzierung des Gemeinwohls aushöhlen. In den USA beispielsweise zahlen die reichsten 0,01 Prozent weniger als 20 Prozent Einkommensteuer – und damit deutlich weniger als die breite Mehrheit.

In Österreich werden Vermögenseinkommen (aus Unternehmensgewinnen, Zinsen, Dividenden) linear mit lediglich 25 bzw. 27,5 Prozent besteuert – im Gegensatz zu Arbeitseinkommen, die progressiv besteuert werden. Kapitaleinkommen machen aber beim reichsten Prozent rund ein Drittel des Haushaltseinkommens aus, während es für 95 Prozent der Haushalte im Durchschnitt nur 3,2 Prozent sind. Das führt dazu, dass die Reichsten mit ihren enormen Vermögenseinkommen prozentuell weniger von ihrem Einkommen an Steuern und Abgaben beitragen als der Rest der Bevölkerung. Eine Studie zeigt: Während der Steuerbeitrag einer Mittelstandsfamilie in Österreich bei 42 Prozent liegt, liegt er für Multimillionäre bei 30 Prozent. Milliardär Mark Mateschitz trägt sogar nur 26 Prozent seines Bruttoeinkommens bei. Das ist auch ein ökonomisches Problem, wenn die Finanzierung wichtiger öffentlicher Infrastruktur darunter leidet.

Vermögenskonzentration führt zudem zu einer Dämpfung der Nachfrage und der Beschäftigung. Denn während ärmere Gruppen zusätzliche Mittel für Konsum ausgeben, neigen die Reichsten dazu, diese Mittel in oftmals unproduktive und spekulative Finanzgeschäfte zu “investieren”. Die Mittel aus einer Vermögensteuer hingegen könnte der Staat zielgerichtet investieren: in Bildung, Pflege, Gesundheit, Klimaschutz – und damit dringend notwendige Arbeitsplätze und Wohlstand für viele schaffen.

3. Extreme Vermögenskonzentration erhöht den Profitdruck auf die ganze Gesellschaft

In den letzten 20 Jahren hat sich in der Eurozone die Größe des Finanzsektors im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung verdoppelt. Die immer stärkere Konzentration von Vermögen führt dabei zu einer immer umfassenderen Finanzialisierung der Gesellschaft.

Lebensbereiche, die bisher von der Finanzwelt abgeschirmt waren, werden systematisch erobert und ihrer Logik unterworfen. Das konzentrierte Vermögen setzt etwa über wachsende Private Equity Gesellschaften maximale Renditeerwartungen auf Unternehmen aus, um den Firmenwert mit allen Mitteln (wie Entlassungen und Arbeitsverdichtung) kurzfristig zu steigern. Zudem wird die Profitlogik auf immer mehr Bereiche des täglichen Lebens ausgeweitet: Wohnimmobilien, Agrar- und Rohstoffmärkte (inkl. Spekulation), Energieversorgung oder Pflegeheime dienen den Reichsten immer öfter als “Anlageobjekte”. Als Folge werden Produkte und Leistungen teuer und eine leistbare Grundversorgung oder ökologische Ziele vernachlässigt. Das schadet der Mehrheit der Menschen unmittelbar im täglichen Leben.

4. Extreme Vermögenskonzentration schadet der wirtschaftlichen Stabilität

Steigende Vermögenskonzentration schadet einer stabilen wirtschaftlichen Entwicklung. Sie führt zu Preisblasen und erhöht damit auch das Risiko von Finanzkrisen, auf die wiederum schwere Wirtschaftskrisen folgen. In Zusammenhang mit liberalisierten Finanzmärkten birgt die enorme Vermögenskonzentration daher die Gefahr, Wohlstand und Arbeitsplätze zu vernichten. Zudem retten Regierungen im Zuge von Finanzkrisen oftmals mit öffentlichen Mitteln in Milliardenhöhe das Vermögen der Eigentümer*innen/Aktionär*innen und Gläubiger*innen der Banken – sprich die Vermögen der Reichsten (so geschehen in der Finanzkrise ab 2008). Die Folge war in vielen Staaten eine massive Kürzungspolitik auf Kosten der Mehrheit, welche die Wirtschaftskrise nur noch vertiefte.

5. Extreme Vermögenskonzentration schadet dem Klima

Die Reichsten verschärfen durch ihren exzessiven Konsum und Lebensstil die Klimakrise am stärksten. In Österreich verursacht das reichste Prozent allein rund 11 Prozent der Gesamtemissionen. Die einkommensstärksten 10 Prozent verursachen mehr als die einkommensschwächste Hälfte der Bevölkerung. Und während 80 Prozent der Österreicher*innen seit 1990 ihren CO₂-Ausstoß reduziert haben, hat das oberste Prozent im selben Zeitraum nochmal um 25 Prozent zugelegt.

Die Profiterwartungen der Reichsten stehen zudem oft im Gegensatz zu langfristigen gesellschaftlichen Zielen. Denn auch große Investitionsentscheidungen (etwa in fossile Energie) werden dann eben nicht nach gesellschaftlich relevanten Gesichtspunkten wie Klimaschutz oder guten und sicheren Arbeitsplätze getroffen, sondern nach oftmals kurzfristigen Profitinteressen.

 

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