Wir bemühen uns differenziert an die Thematik heranzugehen
Die Welt ist im Aufrüstungsfieber. Rüstungskonzerne jubeln über Rekordprofite, während Politiker*innen, Militärs und Medien fast täglich neue Bedrohungs- und Kriegsszenarien zeichnen.
Ihre Botschaft lautet: Nicht friedenstüchtig, sondern kriegstüchtig müssen wir werden – in unseren Köpfen, mit mehr Waffen und Milliarden fürs Militär. Die Summen dafür sind gewaltig.
Wir sind uns bewusst, dass es bei diesem Thema sehr unterschiedliche Meinungen gibt. Mit unserer Kampagne "Wettrüsten Stoppen!" gegen die Aufrüstungs- und Militarisierungslogik bemühen wir uns, differenziert an die Thematik heranzugehen und schauen uns die häufig gestellten Fragen und Mythen rund um das Thema Militarisierung genauer an.
Wie hoch sind die geplanten Militärausgaben von Österreich und der EU?
Laut Budgetvoranschlag steigen die Militärausgaben Österreichs im Jahr 2026 auf 4,76 Milliarden Euro. In den kommenden Jahren wird weiter investiert.
Das Ziel: Bis 2032 sollen die Militärausgaben mindestens 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Das wären aktuellen Prognosen zufolge über 12 Milliarden Euro pro Jahr - eine Vervierfachung innerhalb von 10 Jahren (Ausgaben 2022: 2,7 Milliarden Euro). Zusätzlich sollen weitere 17 Milliarden für Neuanschaffungen wie Kampfjets und Panzer ausgegeben werden. Das Aufrüstungsprogramm “ReArm Europe“ der EU zielt darauf ab, Investitionen von über 800 Milliarden Euro in die Armeen zu ermöglichen. Demokratische Prozesse werden dabei häufig übergangen oder Kontrolle abgeschafft. Die NATO-Länder einigten sich sogar auf das Ziel von 5 Prozent des BIP für zukünftige Militärausgaben.
Das sind unvorstellbare Summen, wie wir am Beispiel von Deutschland sehen: Dort würden die Militärausgaben dann fast die Hälfte des Bundeshaushalts ausmachen.

Wie profitiert die Rüstungsindustrie von der Aufrüstung?
Von der zunehmenden Aufrüstung profitieren in erster Linie die Rüstungskonzerne und deren Aktionär*innen.Im Jahr 2023 erzielte die europäische Verteidigungsindustrie einen Umsatz von 158,8 Milliarden €, was einem Anstieg um 16,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Auftragsbücher sind aktuell gut gefüllt, und die Aktienkurse der Rüstungskonzerne klettern nach oben.
Sehr anschaulich sehen wir die Entwicklung am Beispiel des Rüstungsriesen Rheinmetall, der auch in Österreich an verschiedenen Standorten Rüstungsgüter produziert. Der Aktienkurs ist von Ende 2021 bis Herbst 2025 um das 21-fache gestiegen – Tendenz steigend.
Zu den größten klassischen Rüstungsunternehmen Österreichs zählen vor allem Hirtenberger Defence Systems, Steyr Arms, Glock Ges.m.b.H., Rheinmetall Waffe Munition Arges GmbH und Schiebel Elektronische Geräte GmbH. Diese Firmen sind direkt in die Entwicklung und Produktion von militärischen Waffensystemen, Munition oder Einsatzmitteln involviert. Mit der Herstellung von sogenannten „Dual-Use Gütern“ versuchen vermehrt auch andere Unternehmen am Rüstungsboom teilzuhaben – etwa mit der Produktion von Komponenten für Luftfahrt, Technologie oder Elektronik.

Schaffen Rüstungsausgaben neue Jobs und Wachstum?
Gibt der Staat mehr Geld für Rüstung aus, hat das Folgen: steigende Staatsverschuldung, Verteilungsdebatten und schmerzhafte Kürzungen bei anderen öffentlichen Aufgaben. Wirtschaftlich profitiert davon in erster Linie die Rüstungsindustrie. Welche Zukunftsvision steht hinter einer Wirtschaftspolitik, die Aufschwung und Wohlstand in der Produktion von Gütern sieht, die Tod und Zerstörung bringen?
Ein UN-Bericht sagt außerdem, dass eine Milliarde Dollar, die ins Militär invistiert wird, im Durchschnitt 11.200 Arbeitsplätze schaffen könnte - dieselbe Summe in Bildung investiert würde jedoch etwa 26.700 Arbeitsplätze generieren. Auch das Klima leidet unter den Militärausgaben: Jeder in das Militär investierte Dollar erzeugt mehr als doppelt so viele CO2-Emissionen wie ein in zivile Branchen investierter Dollar. Mehr Infos zu den Klimafolgen der Militarisierung findest du in unserem Papier "Wettrüsten macht Klimaziele unerreichbar".
Ist Österreichs Neutralität unglaubwürdig und in Gefahr?
Neutralität heißt nicht Verantwortungslosigkeit. Wir braucheneine mutige, glaubwürdige und international nützliche Neutralität. Österreich kann mit Diplomatie, Abrüstungsverträgen und internationalen Organisationen in Wien (IAEO, OSZE, UNIDO, OPEC u.a.) zur globalen Sicherheit beitragen. Beispiele sind etwa die Verträge für das Verbot von Streumunition, dem Landminenverbot und dem Atomwaffenverbot.
Engagierte Neutralität hieße auch, sich aktiv für die Beendigung von Kriegen und die Einhaltung von Völkerrecht und UN-Charta einzusetzen. In Bezug auf die Politik gegenüber Israel sehen wir hier eine Leerstelle und Unterstützung der israelischen Regierung, die Völkerrecht bricht. In Äußerungen einzelner österreichischer Regierungsmitglieder wird die Neutralität immer wieder in Frage gestellt - trotz großer Befürwortung in der Bevölkerung.
Ist Österreich nicht verteidigungsfähig?
Österreich zählt zu den sichersten Ländern der Welt. Rein militärisch wird sich ein so kleines Land langfristig nie verteidigen können – daher braucht es Diplomatie, Neutralität und internationale Kooperation als Sicherheitsgarantie. Große Militärbündnisse mit geopolitischen Machtansprüchen und Interessen hingegen stärken den Frieden nicht.
Wird Russland die EU 2029 angreifen - und sind wir ohne Unterstützung der USA schutzlos?
Ohne das Regime Putin zu verharmlosen noch seinen imperialen Bestrebungen naiv gegenüberzutreten, zeigt sich bei genauerer Betrachtung folgendes Bild: Die Warnungen vor einem Angriff Russlands im Jahr 2029 basieren bislang auf vagen Geheimdienstinformationen. Darüber hinaus zeigt eine Greenpeace-Studie aus dem Jahr 2024, dass Europas NATO-Staaten Russland auch ohne die USA in ihren Militärausgaben übertreffen – auch wenn die Mittel in Europa äußerst ineffektiv eingesetzt werden. Im Detail:
- Militärbudget: NATO-Europa 420 Milliarden USD (2023) – Russland unter Berücksichtigung schwacher Kaufkraft 300 Milliarden USD (nominell 127 Milliarden); NATO mit USA insgesamt 1,27 Billionen USD
- Truppen: NATO-Europa ca. 3 Millionen – Russland ca. 1,3 Millionen
- Großwaffensysteme: NATO mindestens dreimal so viele wie Russland
Russland hat seine Wirtschaft in den letzten Jahren auf Krieg umgestellt und weitet die Produktion von Rüstungsgütern massiv aus – das ist Fakt. Die genauen Zahlen sind stark debattiert, da es schwierig ist, die Ausgaben zu vergleichen beziehungsweise genaue Daten zu bekommen. Jede Warnung vor einem russischen Angriff bildet jedenfalls eine neue Rechtfertigung für weitere Aufrüstung, und Reaktionen auf Putins Drohungen werden rein militärisch gedacht. Dabei gibt es auch andere Möglichkeiten: Wir fordern ein Primat des Friedens gemäß der UN-Charta, sprich eine Austragung des Konfliktes ohne militärische Mittel.
Während Russland enorme 7 Prozent seines BIP in das Militär investiert (rund ein Drittel des gesamten Staatshaushalts!), sind es in Europa derzeit meist 2 bis 4,5 Prozent – und die NATO plant diesen Anteil bis 2030 auf 5 Prozent auszuweiten. Jedoch gestehen selbst Aufrüstungsbefürworter*innen ein: Waffen bringen keinen Frieden. Und wir müssen alles versuchen, um Kriege zu beenden und weitere Aufrüstung zu verhindern.
Darf man mit Aggressoren verhandeln?
Die meisten Kriege enden mit Verhandlungen. Gespräche legitimieren keine Aggression, sondern öffnen Wege zum Frieden. Statt Wettrüsten sollte die EU Diplomatie und neue Friedensordnungen stärken. Das bedeutet nicht, dass man Aggressoren kritiklos gegenübersteht oder ihren imperialen Machtbestrebungen nachgibt.
Im Kontext der Ukraine heißt das: mehr Druck auf Russland und Solidarität mit den Opfern des Krieges. Nicht nur durch Waffen, sondern durch kluge ökonomische und diplomatische Strategien. EU-Staaten haben über Jahre Putin wie auch andere Autokraten hofiert, um von billigen Öl und Gas zu profitieren. Echte Maßnahmen, um die kritische Zivilgesellschaft zu stärken bzw. das Regime Putin zu schwächen, gab es wenige. Eine konsequente Energiewende mit einem Ausstieg aus fossilen Brennstoffen hätte die Kriegskasse Putins erheblich getroffen. Außerdem treffen viele Sanktionen vor allem die Zivilbevölkerungen und wirken wenig friedensfördernd. Dementsprechend braucht es am Ende vor allem den breiten Druck und Solidarität aus der Zivilbevölkerung heraus, um die bestehenden Machtverhältnisse zu verändern und Kriege zu beenden.
Unterstütze den Aufbau unserer Kampagne mit einer Spende oder organisiere dich mit uns!
