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Zeitenwende in der internationalen Steuerpolitik

UN-Steuerkonvention: Globale Allianz fordert global gerechte Steuerregeln

Wien/New York, 7. August 2025 – Am UN-Hauptsitz in New York wird derzeit die Geschichte der internationalen Steuerpolitik neu geschrieben. Nach jahrelangen Vorbereitungen und auf Druck der internationalen Zivilgesellschaft finden von 4. bis 15. August die ersten beiden Verhandlungsrunden über eine UN-Steuerkonvention statt. 

Zum ersten Mal werden damit die internationalen Steuerregeln gleichberechtigt und öffentlich zwischen allen Staaten (außer den USA) verhandelt. Damit beginnt eine neue Ära internationaler Steuerzusammenarbeit. Denn bisher wurden die internationalen Steuerregeln in der OECD vor allem von den reichen Industriestaaten ausverhandelt – auf Kosten des Globalen Südens.

Chance für ein gerechtes globales Steuersystem

„Die bisherigen Steuerregeln sind veraltet, ungerecht, komplex und voller Schlupflöcher. Eine UN-Steuerkonvention bietet die historische Chance, ein gerechtes, effizientes und multilaterales Steuersystem zu schaffen“, erklärt David Walch von Attac Österreich. „Ein solches System muss Besteuerungsrechte fair zwischen Ländern aufteilen und den aggressiven Steuermissbrauch durch multinationale Konzerne und Superreiche endlich wirksam bekämpfen. Jetzt liegt es an den Regierungen, diese Chance zu nutzen.“

Globale Zivilgesellschaft legt Reformagenda vor

Gemeinsam mit der Global Alliance for Tax Justice (GATJ) und über 100 zivilgesellschaftlichen Organisationen fordert Attac grundlegende Reformen im internationalen Steuersystem. Dazu zählen:

  • Die Abschaffung des alten Systems der Konzernbesteuerung (des Transferpreissystem), das Steuermissbrauch ermöglicht, und die Einführung einer Gesamtkonzernsteuer – ergänzt durch effektive Mindeststeuersätze.
  • Mehr Steuertransparenz – etwa durch öffentliche Vermögensregister und öffentliche länderbezogene Konzernberichte.
  • Eine progressive Vermögensbesteuerung der Reichsten sowie Umweltsteuern nach dem Verursacherprinzip, etwa auf die Gewinne fossiler Konzernen.
  • Den Ersatz zwischenstaatlicher (bilateraler) Steuerabkommen durch einen multilateralen Rahmen, der gleiche Rechte für alle Staaten sichert.
  • Keine intransparenten Schiedsgerichte und „Opt-out“-Regelungen, die die Wirksamkeit der Steuerkonvention untergraben könnten.

EU und Österreich als Bremser

Die EU und Österreich gehörten bislang zu den Bremsern des inklusiven UN-Prozesses. Attac fordert insbesondere die österreichische Regierung auf, eine ambitionierte Steuerkonvention zu unterstützen, von der alle Staaten profitieren.

Ausstieg der USA als Chance

Die USA haben die UN-Steuerverhandlungen im Februar 2025 verlassen. Sie ignorieren damit wie so oft internationale Prozesse. „Niemand erwartet, dass die USA ein globales Steuerabkommen jemals umsetzen würden. Auch in der OECD haben sie zuerst die Ergebnisse verwässert und danach die Umsetzung verweigert. Der Ausstieg der USA eröffnet daher die Chance auf ein ehrgeizigeres Ergebnis der UN-Verhandlungen“, kommentiert Walch.

Zivilgesellschaft kritisiert teilweisen Ausschluss

Entgegen bisheriger UN-Praktiken fanden einige Verhandlungen in New York ohne Beteiligung der Zivilgesellschaft statt. „Wir fordern eine Rückkehr zu einem transparenten Verfahren – so wie es das Verhandlungsmandat vorsieht. Ein gerechtes globales Steuersystem kann nicht hinter verschlossenen Türen entstehen“, erklärt Walch.


Hintergrund zu den Verhandlungen

Das ehrgeizige Mandat für die Verhandlungen wurde mit überwältigender Mehrheit 2024 verabschiedet. Es hat das Ziel, „ein inklusives, faires, transparentes, effizientes, gerechtes und wirksames internationales Steuersystem für nachhaltige Entwicklung“ zu schaffen. Das Mandat nennt dabei unter anderem die Bekämpfung von Steuerhinterziehung und -vermeidung durch die Reichsten, die Besteuerung der digitalisierten Wirtschaft, die faire Aufteilung der Besteuerungsrechte zwischen den Ländern, Maßnahmen gegen illegale Finanzströme, eine verbesserte internationale Zusammenarbeit bei Umweltsteuern oder ein besserer internationaler Informationsaustausch sowie eine wirksame Amtshilfe in Steuerangelegenheiten. Die Verhandlungen sollen bis Ende 2027 abgeschlossen sein.

In den ersten Verhandlungsrunden stehen die rechtlich bindenden Verpflichtungen sowie, Transparenz- und Kontrollmechanismen im Zentrum, die die Regierungen mit der Unterzeichnung der Steuerkonvention eingehen werden. In zwei zusätzlichen Protokollen wird über die Aufteilung der Besteuerungsrechte zwischen den Ländern, die Besteuerung von Dienstleistungen in der digitalisierten Wirtschaft sowie über die Verhinderung und Lösung von internationalen Steuerstreitigkeiten verhandelt.

Die ausführlichen Stellungnahmen der Global Alliance for Tax Justice zu den drei aktuellen „Workstreams“ der UN-Verhandlungen finden hier Sie zum Download: