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20 Jahre Attac Österreich: Wegbereiterin für den wirtschaftspolitischen Wandel

„Die Macht der Konzerne brechen – ein gutes Leben für alle schaffen“

Morgen, am 6. November, jährt sich die Gründung von Attac Österreich zum 20. Mal.* Aus einer überschaubaren Initiative entwickelte sich eine starke, aus der Zivilgesellschaft nicht mehr wegzudenkende Kraft. Mit Expertise, Aktivismus und großteils ehrenamtlichen Strukturen engagiert sich Attac gegen die Übermacht der Konzerne und für ein gutes Leben für alle. Attac hat zwar nicht das Geld der Konzerne, ihrer Lobbyisten und Thinktanks, aber dafür die Kraft und Unterstützung vieler Menschen.

20 Jahre Engagement für den wirtschaftspolitischen Wandel

Seit der Gründung spielt Attac eine wichtige Rolle im wirtschaftspolitischen Diskurs. Viele der – anfangs radikal erscheinenden – Attac-Analysen und Forderungen sind heute breit in der Gesellschaft verankert und werden von der Politik aufgegriffen.

Lange vor der Finanzkrise 2008 hat Attac vor den Gefahren unregulierter Finanzmärkte und des übermächtigen Finanzsektors gewarnt. Lange vor den Steuerskandalen wie LuxLeaks, Panama-Papers oder Paradise-Papers forderte Attac die Schließung von Steuersümpfen und eine gerechte Besteuerung internationaler Konzerne. Durch jahrzehntelangen Widerstand gegen neoliberale Handels- und Investitionspolitik hat Attac breiten Konsens geschaffen, dass eine völlig andere, solidarische Handelspolitik nötig ist. Die Verhandlungen in der Welthandelsorganisation WTO zur weiteren Liberalisierung stocken seit Jahren, TTIP wurde begraben, der Investitionsteil von CETA ist noch immer nicht in Kraft und die Zukunft des Mercosur-Abkommens ungewiss.

„Doch egal ob Finanzmärkte, Steuersümpfe, Handelspolitik, Agrarpolitik oder Klimaschutz: Positive Veränderungen scheitern weiterhin viel zu oft an der Macht von Konzernen und ihren engen Verflechtungen mit politischen Eliten“, kritisiert Attac Mitbegründerin Alexandra Strickner.

Klimakrise und Corona-Pandemie machen Fehler der konzerngetriebenen Globalisierung sichtbar

Noch eindringlicher als vor 20 Jahren zeigen aktuell die Klimakrise und die Corona-Pandemie, dass die konzerngetriebene Globalisierung zu immer größerer Ungleichheit, gesellschaftlicher Spaltung und zur Zerstörung unserer Lebensgrundlagen führt. Globale Produktions- und Lieferketten orientieren sich nämlich nicht am Klima- und Umweltschutz, nicht an medizinischer Versorgungssicherheit oder guten Arbeitsbedingungen, nicht an sozialen Rechten oder gesunden Lebensmitteln - sondern einzig am größtmöglichen Profit.

In vielen Ländern wurden zudem Gesundheitssysteme privatisiert oder ausgehungert. Das gefährdet das Überleben von Menschen in der Pandemie. Auch in Österreich gibt es zu wenig Gesundheitspersonal, zu wenige Betten, schlechte Arbeitsbedingungen und zu geringe Entlohnung für jene, die Leben retten und die Gesellschaft am Laufen halten.

Attac setzt sich für einen sozial-ökologischen Umbau ein, der unsere Produktions- und Konsumweise radikal verändert.

„Schon allein die Klimakrise macht es nötig, Produktions- und Lieferketten zu schaffen, die regionale Wertschöpfung und damit langfristig sichere und qualitativ hochwertige Arbeitsplätze stärken. Wo globaler Handel notwendig ist, muss er auf Kooperation und wechselseitiger Ergänzung basieren, anstattt den Profitinteressen exportorientierter Konzerne zu dienen“, erklärt Strickner.

Die Corona-Pandemie zeigt: Jetzt ist nicht der Moment klimaschädliche Industrien zu retten, sondern öffentliche Infrastrukturen auszubauen - etwa Gemeingüter wie Bildung, Gesundheit und Pflege, leistbaren Wohnraum oder öffentlichen Verkehr. Die Kosten dafür können wir durch einen Corona-Lastenausgleich von den Reichsten gerecht verteilen“, erklärt Strickner.

„Unser Ziel, ein gutes Leben für alle Menschen, lässt sich verwirklichen, wenn wir die Macht der Konzerne brechen. Dafür werden wir uns – als Teil einer starken globalen Bewegung – auch in Zukunft mit aller Kraft einsetzen“, erklärt Attac-Vorstandsmitglied Mario Taschwer.

 

* Geschichte von Attac: 



1997 riss eine gigantische Spekulationswelle Südostasien in die Krise. Der Chefredakteur der in acht Sprachen erscheinenden "Le Monde diplomatique", Ignacio Ramonet, publizierte daraufhin im Dezember 1997 einen Aufruf zur Kontrolle der Finanzmärkte. Am 3. Juni 1998 wurde Attac in Frankreich gegründet. Der Name war Programm: Attac steht für Association pour la Taxation des Transactions financières pour l'Aide aux Citoyens (Vereinigung für die Besteuerung von Finanztransaktionen zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger).

Inspiriert durch diese Gründung setzte sich vor 20 Jahren auch in Österreich eine kleine Gruppe engagierter Menschen das ehrgeizige Ziel, die Wirtschaft zu demokratisieren und auf die langfristigen Überlebensinteressen der Menschheit auszurichten. Am 6. November 2000 wurde Attac Österreich gegründet. Attac Österreich wird aktuell von mehr als 12.000 Menschen durch Mitgliedsbeiträge und Spenden unterstützt.

20 Jahre Attac Österreich
Attac Gründungsveranstaltung

LINK: 20 Jahre Attac in Bildern