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AIDS-Konferenz: Pharma-Patente töten und lähmen die Forschung

Patentschutz für unentbehrliche Arzneimittel in der WTO aufheben

Für Millionen von HIV/AIDS Betroffene sind lebensnotwendige Medikamente unerschwinglich oder werden erst gar nicht erforscht. Grund dafür sind die internationalen Patentregelungen für Medikamente. Aus Anlass der bevorstehenden 18.Internationalen AIDS-Konferenz von 18.- 23. Juli in Wien fordert Attac Österreich diese aufzuheben. 

?Medikamentenpatente töten und lähmen die Forschung. Sie sind verantwortlich für unsagbares Leid, Siechtum und Tod von Millionen von HIV/AIDS-Betroffenen - vor allem in ärmeren Ländern. Unentbehrliche Arzneimittel - wie die zur Behandlung von HIV/AIDS benötigten antiretroviralen Medikamente - müssen daher prinzipiell vom Patentschutz ausgenommen werden?, fordert Claudia Naumann von der Gruppe SocialAttac-Gesundheit. Derzeit gibt es weltweit zehn Millionen behandlungsbedürftige Menschen mit HIV/AIDS. Sechzig Prozent haben keinen Zugang zu medikamentöser Behandlung. Zwei Millionen Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen der Immunschwächekrankheit.

Patentrechte selbst auf lebensnotwendige Medikamente werden durch das TRIPS-Abkommen (Trade Related Intellectual Property Rights) der Welthandelsorganisation (WTO) geschützt. Es kam auf den Druck westlicher Pharmakonzerne zustande und ermöglicht ihnen Patentrechte 20 Jahre lang zu halten und so extrem überhöhte Monopolpreise zu erzwingen. Dieser 20-jährige Patentschutz ist derzeit nur für die sogenannte First-Line-Medikamente abgelaufen. Nur diese können als Generika relativ billig hergestellt werden. Wegen schwerer Nebenwirkungen und wegen Resistenzbildung muss aber auf sog. Second- und Third-Line-Medikamente umgestellt werden. 

In der Forschung und bei der Kooperation von Herstellern sind die Folgen des TRIPS verheerend. ?Patentgestützte Forschung orientiert sich auf die Erwartung hoher Profite und somit vorzugsweise auf eine zahlungskräftige Kundschaft. Für zwei Millionen AIDS-kranke Kinder in Afrika existieren keine Behandlungsformen, hitzestabile Medikamente und Tests für die Länder des Südens fehlen?, sagt Naumann. Patenteeinhaber haben wenig Interesse an Zusammenarbeit, um für die notwendigen Dreierkombinationen für einfache und sichere Darreichungsformen in Form einer Tablette pro Tag zur Verfügung zu stellen. Ein Dschungel von Schutzpatenten erschwert zudem den Datenaustausch unter Forschern erheblich und behindert damit Innovation. Attac fordert neue Anreize und Belohnungen für die Forschung jenseits von Patenten und eine Innovation, die allen zugänglich ist. 

Ein Schritt in die richtige Richtung ist das Projekt eines unabhängigen HIV/AIDS-Patente-Pools. Es wird gegenwärtig von UNITAID, der internationalen Einrichtung zum Erwerb von Medikamenten gegen HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose mit Pharmafirmen verhandelt. Aus diesem Pool sollen Hersteller in aller Welt im Austausch gegen faire Patent- bzw. Lizenzgebühren schöpfen können. Dies hätte erhebliche Preissenkungen zur Folge. Behinderungen für die Herstellung von Dreierkombinationen könnten beseitigt werden. Der Erfolg des Projekts hängt davon ab, wie vollständig der Pool sein wird. Attac fordert, dass alle der laufend verfügbaren AIDS-Medikamente in diesen Patent-Pool aufgenommen werden.

Das Menschenrecht auf Gesundheit und Gesundheitsversorgung für alle erfordert die gemeinsame Anstrengung aller Länder. Attac ruft daher zum Menschenrechtsmarsch ?Human Rights And HIV/AIDS - Now More Than Ever? am 20. Juli in Wien auf.

Links: 

Menschenrechtsmarsch:

www.hivhumanrightsnow.org./deu/march_and_rally

http://www.hivhumanrightsnow.org/


Hintergrundinformationen zur Thematik bei: SocialAttac-Gesundheit, der Inhaltsgruppe von Attac zum Thema Gesundheit und Gesundheitsversorgung 

http://community.Attac.at/gesundheit.html

community.attac.at/uploads/media/AIDS_u._Patente_-_Hintergruende.pdf


Welt-AIDS-Konferenz

http://www.aids2010community.org