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Attac, Gott und der Papst

"Zwischen Papst Benedikt und Attac steht nur einer: Gott" in Falter 29/09
 
Lieber Falter. Welch großartig misslungener Titel, den ihr euch da -  selbst - für den Misik-Kommentar ausgedacht habt. Zwischen dem Papst und  Attac steht nämlich sehr vieles - Gott muss das aber zwangsläufig nicht sein. Zahlreiche fortschrittliche kirchliche Gruppen und Menschen engagieren sich innerhalb von Attac. Sie stehen dennoch der Analyse des  Papstes sehr kritisch gegenüber. Der Spitze der römisch-katholischen  Kirche ist tatsächlich schon seit Jahrzehnten der Blick auf die notwendige Korrektur ungerechter wirtschaftlicher Strukturen abhanden gekommen. Der positive Bezug auf einen Markt, der gut sein könnte, wenn denn nur die Menschen gut, verantwortungsbewusst und liebevoll wären, ist ausgesprochen hilflos angesichts weltweiter struktureller Ungleichheiten. Wenn weite Bereiche der sozialen Sicherung dem Markt und seiner Konkurrenz geopfert sind, werden reine Appelle an die Moral und die Politik ihr Ziel verfehlen. Nicht nur die Weltwirtschaft, sondern auch das politische System, in welches die Menschen großteils ihr Vertrauen verloren haben, steckt in einer tiefen Krise. Notwendig sind  daher einerseits konkrete Vorschläge für eine umfassende Demokratisierung der Wirtschaft. Notwendig sind aber auch - gerade in Zeiten wie diesen - demokratisches Engagement, Partizipation und konkretes politisches Handeln. Dafür stehen - mit oder ohne Gott - weltweit hunderttausende Menschen, die sich in sozialen Bewegungen wie Attac engagieren.

Leserbrief abgedruckt in Falter 30/09